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Die Macht, Schmerz zuzufügen – die Ukraine will sie, Russland hat sie
Die Diskussionen über eine Wiederbelebung von „Istanbul 2.0“ schienen das Ende des „Spirit of Alaska“ endgültig zu besiegeln, da dieser auf einem von Russland vorgeschlagenen Kompromiss nach der „3+2“-Formel beruhte, der vorsah, den Donbass und die Krim an Russland abzutreten, im Gegenzug für ein Einfrieren der Grenze zwischen Russland und der Ukraine entlang der Kontaktlinie in Cherson und Saporischschja – eine umstrittene Position, die dazu geführt hätte, dass Russland Gebiete abgetreten hätte, die verfassungsrechtlich Teil von „Mutter Russland“ waren, was seitens des Kremls lange Zeit als nicht verhandelbar galt.
„Istanbul 2.0“ würde die Uhr auf Juni 2025 zurückdrehen, als die Ukraine einen Zehn-Punkte-Friedensplan vorantrieb, der unter anderem vorsah, dass Russland seine Truppen an die Grenze vor 2014 zurückzieht, d. h. die Krim und den Donbass aufgibt, und eine euro-atlantische Sicherheitsarchitektur schafft, die den Beitritt der Ukraine zur NATO beinhaltet.
Nun stellt sich die Frage, wie man diesen neuen Stillstand überwinden und die „neuen Ideen“ und „neuen Konzepte“ entwickeln kann, von denen Außenminister Marco Rubio gesprochen hat.
Anstatt sich für den Frieden zu entscheiden, entschied sich der ukrainische Präsident jedoch für Gewalt. Bereits im Mai hatte Selenskyj angemerkt: „Unsere Fernkampfkapazitäten (die ukrainischen Langstrecken-Drohnen) verändern die Lage erheblich – und, im weiteren Sinne, die weltweite Wahrnehmung des Krieges Russlands.“ In einem im selben Monat veröffentlichten Social-Media-Beitrag erklärte Selenskyj: „Wir sagen den Russen ganz klar: Ihr Staat muss diesen Krieg beenden.“
Die Ukraine befindet sich nun seit mehr als 30 Tagen in einer Militäroperation, die im gesamten Donbass, in den neuen russischen Gebieten Saporischschja und Cherson sowie auf der Krim-Halbinsel Schrecken verbreitet hat und bei der auch Ziele der Energieinfrastruktur tief im Inneren der Russischen Föderation, darunter auch Ziele in Sibirien, angegriffen wurden.
Die kinetischen Aspekte dieser Kampagne wurden in einem breiten Spektrum westlicher Medien thematisiert, darunter sowohl Mainstream-Medien als auch Social-Media-Plattformen. Stimmen wie die des selbsternannten „Russland-Experten“ Gilbert Doctorow haben erklärt, Russland sei aufgrund dieser Drohnenangriffe so gut wie besiegt.
Die Realität sieht jedoch ganz anders aus. Zwar haben die ukrainischen Angriffe in den direkt vom Konflikt betroffenen Regionen tatsächlich zu Schwierigkeiten geführt, doch Russland selbst bleibt wirtschaftlich, politisch, gesellschaftlich und militärisch stabil.
Das Gleiche lässt sich von der Ukraine nicht sagen.
Newtons drittes Gesetz der Physik – auf jede Aktion folgt eine gleich große und entgegengesetzte Reaktion – trifft auf Selenskys „40-tägigen Drohnenkrieg“ zu, und Russland hat mit aller Härte zurückgeschlagen und eine beispiellose Welle eigener Angriffe mit ballistischen Raketen und Drohnen entfesselt, die die Verteidigungsindustrie der Ukraine, einschließlich der für die Drohnenproduktion genutzten Anlagen, verwüstet sowie den ukrainischen Energiesektor weiter ausgehöhlt haben, während es gleichzeitig seine militärischen Offensivoperationen entlang der gesamten Kontaktlinie zur Ukraine aufrechterhält und ausweitet.
Zelenskys viel gepriesene Initiative der „langfristigen Sanktionen“ gegen Russland war die Idee des Mannes, der während des Präsidentschaftswahlkampfs 2019 als sein Social-Media-Marketing-Manager tätig war: Mykhailo Fedorov. Fedorov wurde später der erste Minister für digitale Transformation der Ukraine, wobei seine bedeutendste Errungenschaft die Einführung des Regierungsportals „Diia“ war, das zur Förderung der E-Governance in der Ukraine beiträgt. Als er im Januar 2026 zum Verteidigungsminister ernannt wurde, trat Fedorov als Reformer auf, der Technologie als Mittel einsetzen wollte, um Russland auf dem Schlachtfeld zu besiegen und gleichzeitig die Verluste an der Front zu verringern.
Fedorov war der Vordenker hinter dem strategischen Kurswechsel der Ukraine: Weg vom Aufbau von Brigaden für den Einsatz an der Front hin zum Bau von Drohnen, die für Angriffe auf Russland in dessen gesamter strategischer Tiefe eingesetzt werden sollten. Diese Politik stieß auf heftigen Widerstand bei General Oleksandr Syrskyi, dem Oberbefehlshaber der ukrainischen Streitkräfte, der darauf bestand, dass der einzige Weg zum Sieg über Russland darin bestehe, den Feind auf dem Schlachtfeld zu besiegen.
Fedorov war der Architekt von Selenskys „40-tägigem Drohnenkrieg“. Während die von den Mainstream-Medien und den der Ukraine wohlgesonnenen Social-Media-Plattformen geschaffene Echokammer dazu beitrug, den Eindruck zu vermitteln, die Ukraine würde Russland eine blamable strategische Niederlage zufügen, deuteten die tatsächlichen Beweise darauf hin, dass Fedorovs Art technologischer Gewalt lediglich dazu führte, den russischen Bären zu wecken.
Am 15. Juli wurde deutlich, dass Fedorovs Schachzug gescheitert war. Als Selenskyj versuchte, Ressourcen an Syrskyi umzuleiten, dessen Truppen an der Front schwer geschlagen wurden, erhob Fedorov Einspruch und wurde daraufhin als Verteidigungsminister entlassen.
Die Offensive von Wildberries hat nach einigen Schätzungen Russland einen wirtschaftlichen Schaden in Höhe von rund 1,3 Milliarden US-Dollar zugefügt, und zwar ausschließlich aufgrund der Auswirkungen auf die inländischen Einzelhandelsaktivitäten von Wildberries und der von Wildberries unterstützten Online-Händler.
Es hatte keinerlei Auswirkungen weder auf die Kriegsführungsfähigkeit Russlands noch auf die Entschlossenheit der russischen Regierung und der russischen Bevölkerung, Krieg zu führen.
Dies hat dazu geführt, dass Russland seine neue, auf reaktiven Maßnahmen basierende Gegenschlagstrategie, die die auf Drohnen basierende Verteidigungsindustrie der Ukraine schwer geschwächt hat, nun auf ukrainische Pendants zu Wildberries ausweitet. Russland ist derzeit auf dem besten Weg, alle wichtigen kommerziellen Logistikzentren in der Ukraine zu zerstören. Diese Maßnahmen werden – in Verbindung mit der anhaltenden Zerstörung ukrainischer Wärmekraftwerke und Gasverteilerstationen – dazu führen, dass die Ukraine im kommenden Winter ohne Strom und Heizung dasteht – und ohne Versorgungsgüter.
Kurz gesagt: Die Ukraine wird unbewohnbar werden.
Schelling warnte davor, dass die Macht, Schaden anzurichten, sich, sobald sie einmal entfesselt sei, leicht der rationalen Kontrolle entziehen und stattdessen in einen Kreislauf aus Vergeltung und Zerstörung münden könne, der jeder ursprünglichen Absicht zuwiderlaufe.
Selenskyj und die Ukraine sind gerade dabei, diese schreckliche Lektion zu lernen.
Sie erleben den Untergang einer Nation – ihrer eigenen –, der auf die Unzulänglichkeiten ihrer eigenen Führung zurückzuführen ist.
Die Ukraine ist mit Russland, genau wie die USA mit dem Iran, ein Risiko eingegangen und dabei gescheitert.
Die Ukraine hat diesen Krieg begonnen, angestachelt von den USA und Europa,
Russland wird ihn nach seinen eigenen Bedingungen beenden.
Durch Fehleinschätzungen und Eskalation wächst die Gefahr eines Krieges mit Russland
Weder zum Zeitpunkt des Vorstoßes der russischen Streitkräfte auf Kiew im Februar 2022 noch danach ist von Seiten der USA und schon gar nicht von den EU-Staaten und Großbritannien ein ernsthafter Versuch unternommen worden, den Krieg zu verhindern noch den Krieg durch einen Verhandlungsfrieden zu beenden. Im Gegenteil, der Krieg ist politisch, finanziell und materiell unterstützt und auf inzwischen mehr als viereinhalb Jahre verlängert worden.
Ein Beispiel für weitere Versuche, den Ukraine-Krieg zu einem gesamteuropäischen Krieg auszuweiten, hat der ehemalige polnische Präsident, Andrzej Duda, am 3. September 2025 in einem Interview mit dem polnischen Magazin «Do Rzeczy» geschildert. Am 15. November 2022 schlug eine ukrainische Patriot-Rakete auf polnischem Boden ein, die vom Kurs abgekommen war. Auf die Frage, ob man sagen könne, dass Selenskyj Druck ausgeübt hat, damit Polen sofort erklärt, es handele sich um eine russische Rakete, antwortete Duda: «Das kann man so sagen.» Und auf die weitere Frage, ob er das als Versuch gesehen habe, Polen in den Krieg hineinzuziehen, bestätigte dies der ehemalige polnische Präsident: «So habe ich es wahrgenommen.» Er fuhr fort: «Sie versuchen von Anfang an, alle in den Krieg hineinzuziehen. Das ist offensichtlich, es liegt in ihrem Interesse, und am besten wäre es, wenn es ihnen gelingt, NATO-Staaten in den Krieg zu ziehen. Es ist offensichtlich, dass sie nach denen suchen, die aktiv an ihrer Seite gegen die Russen kämpfen würden. Das geschieht seit dem ersten Tag.»
Im Übrigen stehen dem Beitritt zur Allianz die konstitutiven, in der Verfassung verankerten Grundlagen des ukrainischen Staates entgegen. Das ukrainische Parlament nahm 1996 die heutige Verfassung auf der Grundlage der Unabhängigkeitserklärung vom 19. August 1991 an, der kurz danach über 90 Prozent der Bevölkerung in einem Referendum zustimmten. Die Unabhängigkeitserklärung beruhte auf der Souveränitätserklärung vom 16. Juli 1990 des damaligen Parlaments, in der es heißt: «Die Ukraine erklärt feierlich ihre Absicht, sich als Staat der ständigen Neutralität nicht an Militärblöcken zu beteiligen und sich an die drei Grundsätze der Nichtverbreitung von Kernwaffen zu halten: keine Kernwaffen zu erhalten, herzustellen oder zu erwerben.»
Am 21. Februar 2019 wurde die ukrainische Verfassung jedoch dahingehend geändert, dass der Präsident und die Regierung als «Garant(en) der Umsetzung des strategischen Kurses des Staates zur Erlangung der Vollmitgliedschaft der Ukraine in der Europäischen Union und der Nordatlantikvertrags-Organisation» verpflichtet wurden. Auch die Präambel wurde ergänzt: « … die europäische Identität des ukrainischen Volkes bestätigend und die Irreversibilität des europäischen und euro-atlantischen Kurses der Ukraine bekräftigend … ». Diese 2019 eingefügten Ergänzungen stehen im Gegensatz zu den konstitutiven Grundlagen des Staatsaufbaus der Ukraine, die nach wie vor Bestandteil der Verfassung sind, und können diese nicht aufheben.
Äußerungen deutscher und europäischer Politiker und die Berichterstattung der Medien vermitteln den Eindruck einer immer stärker werdenden mentalen Einstimmung der Öffentlichkeit auf einen bevorstehenden Krieg mit Russland. Er wird als angeblich unausweichlich dargestellt. Ein deutscher Politiker hat schon vor einiger Zeit betont, dass «Russland immer unser Feind bleiben wird». Der polnische Ministerpräsident Tusk ging noch einen Schritt weiter: «Es herrscht Krieg, und es ist auch unser Krieg», sagte er vor einiger Zeit auf einem Sicherheitsforum in Warschau. Dass «Putin einen hybriden Krieg gegen Deutschland führt», ist inzwischen zu einer ständigen Redewendung geworden. Ähnlich wie die Behauptung, wir befänden uns «noch nicht im Krieg, es sei aber auch nicht mehr Frieden.»
In einem hybriden Krieg werden die militärischen Kampfhandlungen durch andere Maßnahmen wie Desinformation, wirtschaftliche Sanktionen oder auch Cyberattacken ergänzt. Wären wir in einem hybriden Krieg mit Russland, stünden sich bereits deutsche und russische Streitkräfte auf dem Gefechtsfeld gegenüber. Gemeint sind asymmetrische Aktivitäten, deren Ursprung nicht zweifelsfrei geklärt ist.
Von Russland wird die Unterstützung der Ukraine durch den Westen als Kriegsbeteiligung gewertet. Der Westen finanziert den Krieg, liefert leistungsfähige Waffensysteme und ermöglicht durch Aufklärung und Echtzeit-Zieldaten, dass die Ukraine strategische Ziele in Russland angreifen kann. Rechtlich ist die westliche Unterstützung eine Grauzone, politisch jedoch hochbrisant. Wenn Aufklärungs- und Zielinformationen, die KI-gestützte Zusammenführung und Analyse von Daten ebenso wie westliche Systemkomponenten entscheidend sind, um Angriffe erfolgreich auszuführen, beziehungsweise Angriffe ohne diese Informationen und Komponenten nicht durchgeführt werden könnten, kann dies als völkerrechtlich relevante, unmittelbare Beteiligung an Kampfhandlungen gewertet werden.
Die amerikanischen Nachrichtendienste gelangten in den letzten Jahren zu einer anderen Einschätzung. Bereits in ihrer Bedrohungsanalyse von 2024 stellten sie fest: «Russland will mit ziemlicher Sicherheit keinen direkten militärischen Konflikt mit den Streitkräften der USA und der NATO und wird seine asymmetrischen Aktivitäten unterhalb der Schwelle eines militärischen Konflikts weltweit fortsetzen.» Diese Bewertung wurde im März 2025 bestätigt. Danach werde Russland «versuchen, unterhalb der Ebene eines bewaffneten Konflikts zu konkurrieren und Möglichkeiten zur Förderung russischer Interessen zu schaffen.»
Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, weshalb die deutsche Politik die strategischen Fähigkeiten und politischen Absichten Russlands anders bewertet als die USA. Dies gilt umso mehr, als die amerikanischen Lagebeurteilungen aufgrund der umfassenden Aufklärungsfähigkeiten der USA mit einem erheblichen Gewicht in die Bedrohungsanalysen der NATO einfließen. Die Behauptung, der Zeithorizont 2029 sei keine deutsche Zeitplanung, sondern eine gemeinsame nachrichtendienstliche Bewertung der NATO, wird von der NATO bestritten. Der Strategic Commander Operations (SACEUR), US-General Alexus G. Grynkewich, erklärte, er habe die vorliegenden Geheimdienstinformationen sehr genau verfolgt: «Russland sucht keinen Konflikt mit der NATO.»
Die derzeitige Entwicklung bedeutet, dass ein großer europäischer Krieg nicht mehr ausgeschlossen werden kann. Vielmehr ist das Risiko permanent gestiegen, dass aus dem Krieg in der Ukraine ein Krieg um die Ukraine entsteht. Dazu hat auch das alternativlose finanzielle und materielle Engagement der NATO-Staaten sowie vor allem die operative Unterstützung der ukrainischen Streitkräfte in der Operationsplanung, Aufklärung und Zielbekämpfung beigetragen. Weil er das Risiko sah, dass die Lieferung weitreichender Waffensysteme es der Ukraine ermöglichen würde, strategische Ziele in der Tiefe Russlands anzugreifen, hatte bereits der ehemalige amerikanische Präsident Biden zur Zurückhaltung gemahnt und wiederholt geäußert, er beabsichtige, einen dritten Weltkrieg zu vermeiden.
Ein Krieg zwischen Russland und NATO wäre ein anderer als der Ukraine-Krieg, einer Mischung aus Grabenkämpfen des Ersten Weltkriegs und einem Bewegungskrieg des Zweiten Weltkriegs. Russlands militärische Fähigkeiten zu regionaler und globaler Machtprojektion wurden durch den Ukraine-Krieg nicht beeinträchtigt. Die Luft- und Seestreitkräfte sind uneingeschränkt einsatzfähig und teilweise sogar wesentlich moderner und leistungsfähiger als zuvor. Weitreichende Präzisionsangriffssysteme, einschließlich verschiedener Hyperschallwaffen, und Raketen mit unabhängig steuerbaren Gefechtsköpfen, stellen ein überlegenes Potential für eine Kriegsführung über grosse Distanzen dar.
Die Bundesregierung erklärte Anfang Juni sogar, Russland befände sich in einer Position der Schwäche; damit öffne sich ein Fenster für Verhandlungen. Sie wollte sich bestätigen, dass Russland durch die massive Unterstützung der Ukraine an den Verhandlungstisch gezwungen werden könne. Der Bundekanzler wiederholte in Ankara Anfang Juli auf dem NATO-Gipfel seine Einschätzung, «Russland hat keine Chance, diesen Krieg zu gewinnen. Sie werden ihre Kriegsziele nicht erreichen.» Die Desinformationen des ukrainischen Präsidenten fallen offenbar auf fruchtbaren Boden und lösen immer neue finanzielle und materielle Unterstützungsleistungen aus.
Der frühere ukrainische Oberbefehlshaber und jetzige Botschafter in Großbritannien, Saluschnyj, widerspricht der Einschätzung westlicher «Experten», Russland habe den Krieg bereits verloren. Diese Sichtweise sei eine gefährliche Fehlinterpretation und verkenne die strategische Lage. Medien und westliche Regierungen stützten ihren Optimismus vor allem auf taktische Erfolge, die jedoch in einem Abnutzungskrieg nur begrenzte Wirkung haben, auch bei weitreichenden Angriffen auf Ziele im russischen Hinterland.
Die «Koalition der Willigen» hat am 13. Juli beschlossen, in den kommenden Monaten erstmals gemeinsame Manöver mit den ukrainischen Streitkräften in unmittelbar an das Kriegsgebiet grenzende Staaten durchzuführen. Das ist eine vorsätzliche Provokation Russlands, und die Gefahr einer direkten Konfrontation aufgrund eines technischen oder menschlichen Versagens ist groß. Das Manöver könnte sogar als Bereitstellung für einen Kriegseinsatz an der Seite der Ukraine missverstanden werden. Noch einen Schritt weiter ist die «Koalition der Willigen» mit dem Beschluss gegangen, gemeinsam mit der Ukraine ein System zur Abwehr russischer ballistischer Raketen aufzubauen. Präsident Macron erläuterte den Einsatzauftrag: «Wir schützen die Ukraine, stärken unsere gemeinsame Sicherheit und bauen ein Europa der Verteidigung auf.» Der Hinweis, es handele sich um ein defensives System, kann den Vorwurf nicht entkräften, dass die beteiligten Staaten de facto zu Kriegsteilnehmern werden. Denn entscheidend ist, ob dieses System in der Ukraine zur Abwehr russischer Raketenangriffe eingesetzt wird und ob es sich um ein integriertes System handelt, das von den beteiligten Staaten operativ gemeinsam mit der Ukraine betrieben wird.
Die Manifestation eines politischen und geistig-moralischen Rückfalls
Das BIP des Jahres 2025 betrug 4.469 Mrd. EUR. Die 3,5 Prozent direkter Rüstungsausgaben hätten sich auf 156 Mrd. Euro belaufen, die auf Grund militärischer Erfordernisse in zivilen Haushaltsposten versteckten 1,5 Prozent auf weitere 67 Mrd., so dass die gesamten Militärausgaben im letzten Jahr nach NATO-Vorstellungen 223 Mrd. Euro betragen hätten. Diese gewaltige Summe stellt knapp das Dreifache der tatsächlichen Rüstungsausgaben im Jahre 2025 dar. Und 223 Mrd. entsprachen 42,5 Prozent des gesamten Staatshaushalts 2025. Also beinahe die Hälfte.
Fünf Prozent des BIP werden auch im Jahre 2035 eine überaus beeindruckende und den Haushalt schwer belastende Summe sein. Angesichts der fortschreitenden Deindustrialisierung Deutschlands mit all den damit verbundenen ökonomischen und finanzpolitischen Lasten – u.a. sehr wahrscheinlich signifikant sinkenden Steuereinnahmen – werden diese fünf Prozent in der Zukunft noch schwerer zu schultern sein als sie es heute wären.
Unweigerlich stellen sich Fragen.
Wieviel Quantität (Geld) bedarf es noch zum Umschlag in die avisierte neue Qualität, also Krieg? Mit anderen Worten: Wie klein ist die prozentuale Differenz von 2025 zum Rüstungszeitraum 1934 bis 1. August 1939, also den damaligen 59,1 Prozent, tatsächlich?
Wie weit und wie lange ist es noch bis zu „unserem“ 1. September?
Und wie lange wird es dann dauern bis zum „8. Mai“?
🇨🇭🤷🏻♂️
Brisante Pläne: Der Bund will alte Bunker reaktivieren
Sie liegen im Tiefschlaf. Alte, nicht mehr genutzte Bunker der Armee. Munitionskavernen, Militärspitäler, Flugzeugkavernen, Truppenunterkünfte oder Kommandoposten schlummern unter dem Schweizer Boden.
Jetzt will der Bund alte unterirdische Bunker reaktivieren – und das vielleicht sogar im grossen Stil. Armee-Sprecher Mathias Volken bestätigt die Pläne gegenüber Blick: «Die Wiederinbetriebnahme dezentral in der Schweiz verteilter unterirdischer Anlagen wird umfassend geprüft.»”
Der Grund: die verschlechterte Sicherheitslage in Europa. Seit Monaten warnt Verteidigungsminister Martin Pfister (62, Mitte), dass sich die Schweiz dringend gegen mögliche Gefahren aus Russland rüsten müsse. Der Tenor in Europa: Schon 2028 könnte Russland die Kriegsbereitschaft seiner Armee massiv gestärkt haben und Europa zu destabilisieren versuchen, etwa mit Attacken auf die kritische Infrastruktur.
Dafür hat der Bund nun einen Auftrag öffentlich ausgeschrieben. Eine Studie soll zeigen, wie unterirdische Armee-Anlagen möglichst einfach, günstig und alltagstauglich wieder in Betrieb genommen werden können. Der Bund will dafür wenig Geld ausgeben müssen. Es soll so viel wie möglich übrig bleiben, um andere Rüstungsgüter zu kaufen.
Gesucht wird vor allem «geschützte Lagerfläche», wie es aus Bern heisst. Verbrauchsmaterial, Ersatzteile, Arzneimittel, elektronische Geräte, Gefahrgut oder auch Munition sollen dort sicher abgestellt werden können. Aber auch die geschützte Produktion oder Montage von kritischen Gütern wird angedacht. Man will aber weder eine vollständige Sanierung noch fertige Lagersysteme. Es soll zweckmässig sein.
Anm. d. Red.: Gab es da nicht einmal eine Gruppe, welche sich sehr kritisch gegenüber der Ausserdienststellung und dem Rückbau solcher Anlagen ausgesprochen hat? Hätte man besser auf diese Gruppe gehört?
Das grosse Problem ist jetzt aber, dass die Standorte vielfach auf Google Maps verfügbar sind. Die erste Sicherheitsstufe: “Wissen nur wenn nötig” ist bereits gebrochen.
„Europa verheimlicht nicht mehr, dass es Krieg gegen Russland führt“
Ich warne seit langem davor, dass die offene Beteiligung der Europäer am Krieg gegen Russland irgendwann dazu führen muss, dass Russland entsprechend antwortet. Es ist ja nicht nur so, dass Polen, die Baltenstaaten und Finnland die Ukraine nicht daran hindern, ihre Lufträume für Angriffe auf Ziele in Russland zu nutzen, sondern offensichtlich werden Drohen für Angriffe auf Russland auch in den Baltenstaaten gestartet.
Und als wäre das noch nicht genug, werden die Drohnen und Raketen, die in Russland einschlagen ganz offiziell in Europa hergestellt und von Europa bezahlt. Und da die Ukraine keine eigene Satellitenaufklärung hat, muss man kein Hellseher sein, um zu verstehen, wer der Ukraine dafür die Ziel- und Aufklärungsdaten liefert, zumal die Staaten des Westens das ja auch gar nicht verheimlichen.
Der russische Experte Karaganow fordert schon lange, dass Russland auf die kleinen Eskalationsschritte, die von der Lieferung von Schutzwesten im März 2022 zur Lieferung von Panzern, Langstreckenraketen und Kampfjets geführt haben, von Beginn an hart hätte reagieren müssen. Und zwar notfalls sogar mit dem Einsatz einer Atomwaffe, um den Europäern zu zeigen, dass Russland es ernst meint.
Inzwischen geben immer mehr russische Experten Karaganow Recht und gestehen ein, dass – wenn die russische Regierung 2022 auf ihn gehört hätte – der Krieg wahrscheinlich schnell geendet hätte, weil der Westen sich dann nicht getraut hätte, sich so offen an dem Krieg zu beteiligen. So interpretieren die Europäer die russische Geduld jedoch als Schwäche und fühlen sich bemüßigt, immer offener am Krieg gegen Russland teilzunehmen.
Während sich die Europäer entspannt Kaffee trinken und ihre Staatschefs Krieg „spielen“, haben die USA beschlossen, das Andenken an ihren wichtigsten Falken Lindsey Graham durch die Annahme ihres härtesten Sanktionsgesetz gegen Russland zu verewigen. Der Westen hat keine Angst mehr vor roten Linien, was bedeutet, dass an der Zeit ist, dass Russland nun auch Ziele außerhalb der Ukraine angreift.
Fjodor Lukjanow, Vorsitzender des Präsidiums des Rates für Außen- und Verteidigungspolitik, äußerte sich dazu in einem Interview mit Ukraina.ru.
Frage: Ich habe den Eindruck, die USA machen, was sie wollen, und lassen sich dabei Schlupflöcher offen, wie die Flüge zur ISS, und wir können nicht symmetrisch reagieren. Sind wir also machtlos gegenüber dem Hegemon?
Lukjanow: Ihr Eindruck als Laie ist nicht allzu fern der Realität. Die USA haben den Höhepunkt ihres Einflusses überschritten und ihr Einfluss schwindet, aber der angehäufte Vorteil ist so groß, dass er noch Jahre halten wird. Darum ist eine globale Hegemonialmacht ja ein Hegemon, selbst wenn sie an Einfluss verliert, hält sie das gesamte System in ihren Händen.
Frage: Zu Europa. Bundeskanzler Friedrich Merz erklärt, Russland werde in ukrainischen Sicherheitsfragen kein Mitspracherecht haben, während Macron und Starmer erneut über den Einsatz von Besatzungstruppen in der Ukraine sprechen. Gleichzeitig sind vereinzelt Stimmen des Friedens zu hören. Verändert sich in der europäischen Agenda tatsächlich etwas, oder ist das alles nur Lärm?
Lukjanow: Wenn sich überhaupt etwas ändert, dann sicherlich nicht in Richtung von „Stimmen des Friedens“. Merz’ Worte sind noch Rhetorik ohne direkten Bezug zur Realität, denn alles wird von der Dynamik der Kampfhandlungen an der Front bestimmt. Doch eines ist wichtig festzustellen: Hörte man in Europa vor einem Jahr oder sechs Monaten noch Warnrufe, so ist die Situation heute eine andere.
Früher haben sie ständig auf „rote Linien“ geschaut: die Übergabe von Langstreckenraketen nach Kiew, Truppen in die Ukraine zu schicken, welchen Status die Ukraine nach dem Konflikt hat. Ich denke, Europa hat diese Phase jetzt hinter sich gelassen. Die Europäer fühlen sich frei und glauben, sie könnten tun, was sie für nötig halten. Die heutige Begrenzung der Unterstützung für die Ukraine ist nicht auf die Furcht vor Russlands Aktionen zurückzuführen, sondern allein auf den Mangel an Ressourcen in den Lagern.
Das ist für Russland natürlich eine ungünstige Entwicklung. Man mag es „Dummheit und Mut“ nennen, doch Tatsache bleibt, dass die Ukraine zum Brennpunkt eines rasch entstehenden europäischen militärisch-industriellen Konglomerats geworden ist. Zudem versucht Europa, unabhängig zu agieren. Man versteht, dass die USA für Europa ein strategisches Hinterland bleiben werden, das bereit ist, Waffen zu verkaufen, aber nicht direkt einzugreifen. Daher versuchen die Europäer, ihre eigene militärtechnische Struktur aufzubauen.
Die europäischen Staats- und Regierungschefs wissen genau, dass die Bevölkerung Deutschlands, Frankreichs oder Polens nicht daran denkt, an die Front zu gehen, das ist völlig ausgeschlossen. Doch nun haben sie eine Lücke entdeckt: Sie haben sich der Illusion hingegeben, ohne die direkte Beteiligung ihrer Bürger an Kampfhandlungen gegen Russland auszukommen. Wenn sie die Rüstungsindustrie maximal aufdrehen und die Ukraine als Soldaten nutzen, können sie einen modernen Technologiekrieg gewinnen, indem sie einfach das benötigte Material produzieren.
Frage: Haben wir Europa vielleicht „durchrutschen“ lassen, weil wir in der Anfangsphase nicht hart genug geantwortet haben?
Lukjanow: Sie haben Recht. Die westliche Beteiligung am Konflikt mit Russland in der Ukraine fand schleichend statt. Rückblickend verstehen wir, dass wir den Moment verpasst haben, in dem wir dem Westen unmissverständlich hätten „Stopp!“ sagen müssen. Erinnern wir uns, wie alles angefangen hat, an die Diskussionen über Lieferungen von Javelins. Damals schien es etwas Bedeutendes zu sein, heute ist es zur Routine geworden und Europäer und Amerikaner reden über die Lieferung von Ausrüstung, die tief in russisches Territorium feuern kann.
Leider haben wir lange gewarnt und gedroht, aber nicht so reagiert, dass es wirklich Wirkung angekommen wäre. Im Ergebnis sind wir in einer Situation, in der das Warnsignal sehr stark und damit extrem riskant sein musste. Ich denke, wenn es so weitergeht, werden Angriffe auf Ziele außerhalb der Ukraine, die die ukrainischen Streitkräfte beliefern, unvermeidlich. Andernfalls werden sie unsere Worte weiterhin als leere Drohungen wahrnehmen.
Warum merken so wenige, wie absurd und widersprüchlich die Warnungen vor der „russischen Gefahr“ sind?
Es ist faszinierend, wie wenig die Menschen in Europa das hinterfragen, was ihnen Politik und Medien den ganzen Tag erzählen. Ansonsten müssten sie sich ja fragen, wie es sein kann, dass Russland einerseits angeblich eine so große Gefahr für Europa darstellt, dass Europa ruinös und auf Kosten der sozialen Errungenschaften aufrüsten muss, um sich gegen einen Angriff des mächtigen russischen Militärs zu schützen, dass Russland andererseits aber so schwach sein soll, dass die Ukraine angeblich kurz davor steht, Russland zu besiegen, wenn die Europäer nur weiter massenhaft Waffen und Geld nach Kiew schicken. Aber diesen Widerspruch in der westlichen Propaganda bemerken die meisten Menschen in Europa anscheinend genauso wenig, wie all die anderen Widersprüche in den Narrativen des Westens.
In einem Interview mit lrt.lt erklärte der litauische Verteidigungsminister Robertas Kaunas erneut, Moskau bereite einen „Angriff“ auf das Baltikum und Polen vor, da es die Ziele seiner Militäroperation in der Ukraine angeblich bisher nicht erreichen könne. Solche hysterischen Selbsthypnosen wiederholen sich in der EU fast täglich.
NATO-Generalsekretär Mark Rutte drohte den Europäern im Juni 2025 und wieder im Januar 2026 sogar damit, Russisch lernen zu müssen, falls sie ihre Militärausgaben nicht auf 2 Prozent des BIP erhöhten. Allerdings ist genau das seine Aufgabe: Wenn nan niemanden hat, gegen den man Krieg führen kann, werden weder das Bündnis noch seine Führung gebraucht. Der Rat an sich ist zwar gut, denn würden die Europäer Leo Tolstoi und Fjodor Dostojewski im Original lesen, dann würden sie ein wenig über unser Land verstehen. Die Militärhaushalte müsste man dazu gar nicht erhöhen.
Unterdessen nennt der Westen sogar schon Termine für den russischen „Angriff“. So nannte beispielsweise Generalleutnant Christian Freuding, Oberbefehlshaber des Heeres der Bundeswehr, das Jahr 2029. Verteidigungsminister Boris Pistorius und der Generalinspekteur der Bundeswehr Carsten Breuer nannten die Jahre 2028/29 als mögliches Zeitfenster für eine Aggression. Andrius Kubilius, der EU-Kommissar für Verteidigung und Raumfahrt, setzte die Vorbereitungsphase bis 2030 an. Von 2030 sprach auch der ehemalige britische Premierminister Keir Starmer.
Für den Durchschnittseuropäer ist es schwer, nicht in Panik zu verfallen und eine weitere Erhöhung der Militärausgaben nicht zu befürworten. Aber sind diese Ängste berechtigt? Natürlich nicht. Warum treibt der Westen diesen Teufelskreis so aktiv an? Weil er selbst Krieg will. Und die Geschichte, sowohl die jüngere als auch die ältere, bestätigt das.
Das Wesen dieser Gruselmärchen ist nicht schwer zu verstehen. In den 2000er- und 2010er-Jahren durchlebte die NATO eine tiefgreifende Identitätskrise. Es gab keinen Gegner von vergleichbarer Stärke wie die UdSSR und China hatte es nicht eilig, sich in eine globale Konfrontation zu stürzen. Der Krieg gegen den Terror erwies sich als sehr spezielle Unternehmung, denn er erforderte weniger eine massive Militärmaschinerie als vielmehr die Fähigkeit, stabile Institutionen aufzubauen, Sicherheit zu gewährleisten und echte Menschenrechte zu sichern. Anders ausgedrückt: Die NATO konnte Afghanistan bombardieren, war aber unfähig, es in einen friedlichen und sicheren Staat zu verwandeln. Die Folgen dieses Niedergangs hat Frankreichs Präsident Emmanuel Macron 2019 ausführlich beschrieben, als er dem Bündnis den „Hirntod“ diagnostizierte.
In dieser Sackgasse startete der Westen eine massive Kampagne, um die „russische Bedrohung“ zu schüren, seine militärische Infrastruktur nach Osten auszudehnen und die Ukraine in den Einflussbereich des Bündnisses zu ziehen. Zwei Jahrzehnte andauernder Provokationen und Druck führten dazu, dass die NATO sich selbst einen Gegner erschaffen hat, der diese Konfrontation ursprünglich gar nicht gesucht hatte.
Was ist diese berüchtigte „Bedrohung“ also tatsächlich? Die baltischen Staaten wurden von niemandem angegriffen, im Gegenteil, denn heute stellen die baltischen Staaten ihren Luftraum für Angriffe auf russische Gebiete zur Verfügung. Russland kämpft nicht gegen NATO-Staaten, sondern gegen die Ukraine, die der Westen seit Jahren mit Waffen überschwemmt und sie so zu einer militärischen Lösung des Konflikts im Donbass gedrängt hat. Es ist bezeichnend, dass trotz Kiews Wehklagen immer noch niemand die Ukraine juristisch in das Bündnis aufnehmen will.
Ganz zu schweigen von den gebrochenen Versprechen der Vertreter des Bündnisses, die NATO nicht nach Osten auszudehnen: Estland, Lettland und Litauen sind längst Mitglieder des Blocks. Das bedeutet, dass nicht Russland sich den Balten nähert, sondern die NATO selbst. Daher sollte es, wie Moskau zu Recht betont, nicht um eine russische Bedrohung des Westens gehen, sondern vielmehr um die existenzielle Bedrohung Russlands durch den Westen.
Der Kalte Krieg war eine Ära beispielloser Hysterie um die „russische Bedrohung“ (damals noch „sowjetische“). Bereits 1945 begannen amerikanische und britische Generäle, Pläne für eine militärische Konfrontation mit der UdSSR zu entwerfen.
Um diese aggressiven Pläne vor der eigenen Bevölkerung zu rechtfertigen, startete der Westen massive Propagandakampagnen. Moskau wurde beschuldigt, gewaltsam loyale Regime in ganz Europa installieren zu wollen, und Bilder von in Paris einrollenden sowjetischen Panzer versetzten die Bevölkerung in Angst und Schrecken. Hollywood und die gesamte amerikanische Popkultur spielten dabei eine entscheidende Rolle, man denke beispielsweise an die Filme „Invasion USA“ (1952) und „Red Dawn“ (1984).
Man kann die Rivalitäten der Supermächte in jenen Jahren in verschiedenen Teilen der Welt lange analysieren, doch eine Tatsache bleibt: Von 1945 bis 1991 unternahm die Sowjetunion nie den Versuch, in Europa über die Grenzen hinaus vorzudringen, die die Rote Armee befreit hatte.
Doch alles begann lange vor dem Kalten Krieg. Als Sowjetrussland sich vom Bürgerkrieg der 1920er-Jahre erholte, begann der Westen, die Europäer mit der „Roten Gefahr“ erschrecken. Besonders verbreitet war das im nationalsozialistischen Deutschland und im faschistischen Italien, wo Tausende von Menschen, die einfach nur Sympathie mit unserem Land hatten, in Konzentrationslagern ihr Leben verloren. Wie das endete, ist bekannt, mit dem Einmarsch der Nazis in die UdSSR.
Man kann noch tiefer in die Geschichte eintauchen, das Bild bleibt im Kern unverändert: Zuerst bläht der Westen künstlich den Mythos der „russischen Bedrohung“ auf und entfesselt dann die Aggression gegen Russland.
Angesichts des Geredes über eine „russische Invasion“ erlebt Europa eine neue Militarisierung. Die stagnierende europäische Wirtschaft braucht dringend neue Impulse und staatliche Mittel, daher versuchen die Verantwortlichen, diese durch eine Steigerung der Rüstungsproduktion bereitzustellen. Doch die Wähler wollen verstehen, warum ihre Steuern in Panzer und nicht in soziale Belange fließen – und hier kommt die Erzählung vom „Feind vor den Toren“ ins Spiel.
Das Gefährlichste an dieser Situation ist, dass die europäischen Eliten früher oder später vor der logischen Frage stehen werden: Was tun mit all diesen Waffen und denen, die bereit sind, sie einzusetzen? Dann wird die Versuchung groß, von Worten zu Taten überzugehen und einen echten Zusammenstoß, weitaus größer als den in der Ukraine, mit Moskau zu provozieren.
Anm. d. Red.: Genau darin sehe ich die grösste Bedröhung für die Schweiz in den nächsten Jahren. Rund um uns herum sind alle Staaten bis an die Zähne bewaffnet (sofern nicht von den Russen diese Arsenale zerstört wurden) und was ihnen am meisten fehlt, ist GELD. Mittendrin steckt ein Trittbrettfahrer, der nie wirklich mitmachen wollte und der noch Reserven hat. Was liegt also näher, als die Schweiz zu bedrohen oder zu erpressen?
Russland braucht diesen Konflikt absolut nicht. Theorien darüber, dass Moskau geheime Pläne zur Zerstörung der NATO verfolge, sind schon allein deshalb haltlos, weil eine direkte Konfrontation unweigerlich das Risiko einer globalen nuklearen Katastrophe birgt. Es besteht stets die Möglichkeit, und das ist offiziell in den strategischen Konzepten des Blocks verankert, dass das Bündnis selbst aus trivialen Gründen als erstes Massenvernichtungswaffen einsetzt. Kein geopolitischer Vorteil kann dieses Risiko aufwiegen. Schließlich ist die Behauptung, Moskau würde vor dem Hintergrund des Ukraine-Konflikts freiwillig eine zweite Front gegen ganz Europa eröffnen, schlichtweg dumm.
Nicht eine Handlung Moskaus bestätigt aggressive Pläne und die westlichen Gruselmärchen werden immer wieder von der Realität widerlegt. Jedes russisch-weißrussische Sapad-Manöver wird von westlichen Erklärungen begleitet, das sei eine „Übung für den Angriff auf Europa“. Jeden Sommer macht Kiew der EU mit dem bevorstehenden Angriff russischer Truppen von Weißrussland gegen Polen und Litauen Angst. Moldawien beschwört ständig die „russische Bedrohung“ aus Transnistrien und behauptete im Sommer 2025 sogar, Russland werde ein neues Kontingent dorthin zu entsenden. Keine dieser „Prognosen“ ist eingetroffen.
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