Geopolitische Wochenschau 36/26 – Wollen ist nicht Können

Weitere Netzfunde in der wöchentlichen Zusammenstellung.

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„Die Schweiz ist schon seit Jahren nicht mehr neutral“ – der russische Botschafter Sergej Garmonin

Bis 2022 entwickelten sich die Beziehungen zwischen Russland und der Schweiz positiv. Der Handelsumsatz zwischen den beiden Ländern stieg, und es fand ein regelmäßiger politischer Dialog auf verschiedenen Ebenen statt. Jährlich wurde ein Konsultationsprogramm zwischen dem russischen Außenministerium und dem Eidgenössischen Departement für auswärtige Angelegenheiten verabschiedet, und die interparlamentarischen Kontakte sowie der kulturelle Austausch zwischen den beiden Ländern wurden aktiv ausgebaut.

Im Jahr 2022 beschloss Bern jedoch, dem Beispiel der EU zu folgen, stellte in Eigeninitiative den gesamten Komplex der russisch-schweizerischen Kontakte ein und fror die Mechanismen der bilateralen Zusammenarbeit ein, sei es der politische Dialog, die parlamentarische Diplomatie, die Regierungskooperation, die wirtschaftliche Zusammenarbeit oder der kulturelle Austausch. Das war nicht unsere Wahl.

Seitdem hat sich die Situation kaum geändert. Die Behörden der Eidgenossenschaft übernehmen fleißig alle neuen Sanktionen der Europäischen Union. Vor kurzem hat der Bundesrat ein weiteres Paket antirussischer Sanktionen verabschiedet und diesmal auch Sanktionen im Zusammenhang mit Moldawien aufgenommen.

Dieser Gipfel [auf dem Bürgenstock] hat überhaupt keine Rolle gespielt. Das Treffen auf dem Bürgenstock ohne die Teilnahme Russlands wurde zu einer lautstarken, aber inhaltslosen PR-Aktion sowie einer sinnlosen Verschwendung von Geldern der Schweizer Steuerzahler ohne echte Ergebnisse für eine friedliche Lösung. Ich bin mir sicher, dass die Behörden der Eidgenossenschaft dies selbst sehr gut verstehen, daher wurde die Konferenz in Vergessenheit geraten.

Obwohl wir keine Nachbarn sind, verbinden unsere Länder die unterschiedlichsten Fäden: historische, wirtschaftliche und kulturelle. Zwischen uns bestehen nach wie vor zwischenmenschliche Beziehungen. Viele Schweizer haben in der Geschichte Russlands eine Rolle gespielt. So war beispielsweise der gebürtiger Genfer François Le Fort einer der engsten Vertrauten des russischen Zaren Peter I. Der Tessiner Architekt Domenico Trezzini hat im Grunde genommen Sankt Petersburg erbaut. Der Erzieher von Zar Alexander I. und seiner Familie war der Schweizer Frédéric-César Laharpe. Bekannt ist wiederum die Rolle des Suworow-Alpenfeldzugs bei der Befreiung der Schweiz von der französischen Herrschaft sowie die russische Beteiligung an der Festschreibung der „ewigen Neutralität“ der Schweiz auf dem Wiener Kongress von 1815.

Die russisch-schweizerischen Beziehungen verfügen also über Potenzial. Natürlich wäre es wünschenswert, dass Russland und die Schweiz dieses Potenzial voll ausschöpfen, zum Wohle beider Länder und Völker. Um dieses Potenzial jedoch zu entfalten, bedarf es der Bereitschaft zu einem umfassenden Dialog. Wir haben nicht beschlossen, unsere bilateralen Beziehungen auf Eis zu legen – das war die Entscheidung Berns. Bislang sehen wir keine Bereitschaft, sie wieder in vollem Umfang aufzunehmen.

Russland ist keine Bedrohung, sondern eine Quelle von Möglichkeiten für die Eidgenossenschaft, ihre Beziehungen in einer sich rasch wandelnden Welt vielfältiger zu gestalten. Die Zusammenarbeit mit Russland bietet eine Chance, nicht vollständig von den Launen Brüssels oder anderer westlicher Länder abhängig zu sein, sondern einen alternativen Partner zu haben. Russland ist ein riesiger und profitabler Markt, wissenschaftliche Zusammenarbeit ohne Hindernisse, fortschrittliche Kernenergie und Luftraum für Langstreckenflüge. Sanktionen bedeuten verlorene Vorteile und Abhängigkeit von der Europäischen Union, die blinde Unterwerfung als selbstverständlich ansieht.

So ist die Schweiz unserer Einschätzung nach beispielsweise schon seit einigen Jahren kein neutrales Land mehr. Seit 2022 vertritt Bern eine eindeutig pro-Kiewer Haltung, und daran hat sich seitdem nichts geändert. Die Schweizer Behörden übernehmen alle Pakete restriktiver antirussischer Maßnahmen der Europäischen Union. Sie tun so, als würden sie die Terroranschläge des Kiewer Regimes auf die Zivilbevölkerung nicht bemerken, wie es bei der Pädagogischen Hochschule in Starobelsk und beim Zivilbus im Zentrum von Jenakijewo der Fall war. Eine öffentliche Reaktion des Schweizer Außenministeriums auf diese – wie übrigens auch auf andere – Verbrechen Kiews blieb aus.

Die Schlussfolgerung ist einfach. Von Unparteilichkeit kann bei der Schweiz keine Rede sein, ihr außenpolitischer Kurs ist gegenüber Russland feindselig geprägt. Eine solche „Neutralität à la suisse“ dürfte kaum eine nachhaltige Lösung sein.

Welche Rolle spielen verdeckte und offene NATO-Netzwerke in der Schweiz? Versucht die NATO, den neutralen Status der Schweiz durch verdeckte Aktivitäten zu untergraben?

Es ist schwierig, etwas zu untergraben, was es gar nicht gibt. Ich halte es nicht für wahrscheinlich, dass die NATO als Organisation irgendwelche Operationen durchführt, um die „Neutralität“ zu untergraben, auch weil dafür keine Notwendigkeit besteht. Die Schweizer Behörden sind selbst voll und ganz auf eine möglichst enge Zusammenarbeit mit der NATO ausgerichtet und machen daraus auch keinen Hehl.

Andererseits schließe ich nicht aus, dass einzelne NATO-Mitgliedsländer daran interessiert sein könnten, hier in der Eidgenossenschaft antirussische Stimmungen zu schüren, um die Ängste der Schweizer Bürger auszunutzen.

Wie beurteilen Sie die Auswirkungen der bisher 21 Sanktionsrunden der EU gegen Russland?

Es gibt einen Begriff – hektische Scheinaktivität. Er beschreibt die Situation hinsichtlich der Sanktionspolitik der Europäischen Union gegenüber Russland sehr anschaulich. Den Vertretern der EU-Mitgliedstaaten sind schon lange die Ideen für die Verhängung von Restriktionen gegen unser Land ausgegangen.

Dennoch sind sie gezwungen, so zu tun, als seien sie nicht einfach untätig. Deshalb können sie die Flut sinnloser Sanktionen nicht stoppen, denn im Rahmen ihrer bürokratischen Logik müssen sie einen „entschlossenen Widerstand“ gegen Moskau wieder demonstrieren. Tatsächlich gibt es jedoch viel Show, aber wenige Ergebnisse. Alle Versprechungen über einen wirtschaftlichen Zusammenbruch Russlands, die nun schon seit vier Jahren in Folge wiederholt werden, weichen offensichtlich von der Realität ab.

In diesem Zusammenhang halte ich es für angebracht, auch ein paar Worte zur Schweiz zu sagen. Mit einer Beharrlichkeit, die einer besseren Verwendung würdig wäre, hält Bern weiterhin am Kurs der Europäischen Union fest. Die von den Behörden der Eidgenossenschaft übernommenen, gegen das Völkerrecht verstoßenden antirussischen Maßnahmen haben nur einen verschwindend geringen Einfluss auf die russische Wirtschaft. In ihren Erklärungen „isolieren“ die europäischen Länder Russland. In Wirklichkeit kapseln sich die westlichen Staaten, darunter leider auch die Schweiz, lediglich selbst von Russland ab.

Auch die Schweiz verhängt Sanktionen, zumindest im Bankensektor – die Sanktionen gegen Jacques Baud und Nathalie Yamb betreffen auch deren Bankkonten. Was bedeutet das für die Schweizer Neutralität?

Ich bin mir nicht sicher, ob die Behauptung stimmt, dass die Schweiz Sanktionen gegen ihre Mitbürger verhängt. Es wäre wohl zutreffender, von einer sogenannten „Overcompliance“ seitens der lokalen Banken zu sprechen. Das heißt, die Schweizer Finanzinstitute haben solche Angst davor, ins Visier der EU und der amerikanischen OFAC zu geraten, dass sie bereit sind, sogar ihre eigenen Staatsbürger zu diskriminieren.

In letzter Zeit ist es in der Schweizer Presse zum Trend geworden, Russland unter frei erfundenen Vorwänden der Einmischung in die inneren Angelegenheiten der Schweiz zu bezichtigen. Ich werde mich daher jeglicher Einschätzung des Zustands der amerikanisch-schweizerischen diplomatischen Beziehungen enthalten. Gleichzeitig möchte ich jedoch anmerken, dass wir im letzten Jahr eine ganze Reihe bemerkenswerter Ereignisse im Dialog zwischen Bern und Washington beobachten konnten. Dazu gehören die vom US-Präsidenten verhängten Zölle in Höhe von 39 % auf Schweizer Produkte, sowie die Situation mit den verschobenen Lieferungen der teuren amerikanischen F-35-Kampfflugzeuge und „Patriot“-Raketenabwehrsysteme in die Schweiz und die gemeinsame Erklärung zu makroökonomischen und währungspolitischen Fragen, die einseitige Beschränkungen für die Schweizerische Nationalbank in Fragen der Geldpolitik einführt. Ich denke, jeder, der sich mit diesen Themen vertraut macht, wird in der Lage sein, den aktuellen Stand der Beziehungen zwischen den beiden „Schwesterrepubliken“ – wie die Vereinigten Staaten und die Eidgenossenschaft einst genannt wurden – selbstständig und treffend zu beschreiben.


Das Wichtigste aus Xis Rede beim SCO-Gipfel

Beim SCO-Gipfel in Bischkek hat Chinas Präsident Xi Jinping deutlich gemacht, wohin sich das Bündnis entwickeln soll: weg von einem rein regionalen Zusammenschluss, hin zu einem eigenständigen wirtschaftlichen, technologischen und sicherheitspolitischen Machtzentrum in einer multipolaren Welt.

Xi Jinping will die Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit deutlich ausbauen und als Gegenpol in einer zunehmend multipolaren Welt positionieren. Die SCO solle wirtschaftlich enger zusammenarbeiten, ihre eigene Sicherheitsarchitektur stärken und unabhängiger von westlich dominierten Strukturen werden.

Besonders hervorzuheben sind die angekündigte Vertiefung der Zusammenarbeit bei Handel, Energie, Transport und Investitionen, ein gemeinsames internationales KI-Kooperationszentrum, 100 Technologieprojekte innerhalb von drei Jahren sowie ein massiver Ausbau von Solar- und Windenergie. China will außerdem den Transkaspischen Transportkorridor stärken und ein China-SCO-Zentrum für die wirtschaftliche Zusammenarbeit von Häfen schaffen.

Im Sicherheitsbereich fordert Xi ein gemeinsames Vorgehen gegen Terrorismus, Separatismus, Extremismus und organisierte Kriminalität, will die Kooperation aber ausdrücklich auch auf Informationssicherheit, biologische Sicherheit und Weltraumsicherheit ausweiten. Die vier geplanten SCO-Sicherheitszentren sollen möglichst bald ihre Arbeit aufnehmen.

Politisch ist Xis Botschaft besonders deutlich: Externe Mächte sollen sich nicht in die inneren Angelegenheiten der SCO-Staaten einmischen. Regionale Probleme sollen von den beteiligten Staaten selbst und durch Dialog gelöst werden. Die SCO soll zugleich eine größere Rolle bei der Gestaltung einer „multipolaren Welt“ und einer neuen globalen Ordnung spielen.

Der Kern der Rede lautet damit: Die SCO soll sich von einem regionalen Zusammenschluss immer stärker zu einem eigenständigen wirtschaftlichen, technologischen und sicherheitspolitischen Machtzentrum entwickeln – mit China als treibender Kraft und einer ausdrücklich multipolaren Weltordnung als Ziel.


Irans Raketen ZERSTÖREN US-F-35-Stützpunkt, Trump LÄSST den Krieg für Israel wieder Aufflammen

Escobars Schlussfolgerung ist hart: Eine friedliche diplomatische Lösung des Iran-Kriegs sei unter den gegenwärtigen Bedingungen unmöglich. Jeder Vermittler scheitere, weil Washington nicht Diplomatie betreibe, sondern Bomben und Sanktionen. Selbst wenn Pakistan, Oman und Iran ein Zeitfenster anböten – zurück zum MOU, dann verhandeln –, folge die nächste Eskalation.

Die Rolle Israels behandelt Escobar knapp und scharf. Er wolle dem „genozidalen Apparat“ wenig Aufmerksamkeit schenken, weil dessen Modus operandi bekannt sei: Kontrolle über Washington, Drohungen, selbst im Falle eines amerikanisch-iranischen Arrangements weiterzuschlagen. Typisches „zionistisches Bluster“. Iran könne Israel „in einen Parkplatz verwandeln“, habe die entsprechenden Waffen aber noch nicht eingesetzt. Deshalb schlage in der Praxis meist die USA zu, während Netanyahu die Rhetorik liefere. Trumps Ankündigung weiterer Schläge über Fox News wirkt auf Escobar kindisch; informierte Beobachter weltweit lachten darüber.

Als institutionelle Antwort erwartet Escobar Fortschritte bei einer SCO-Entwicklungsbank: Kredite in Mitgliedswährungen, Umgehung des Dollars, der Petrodollar-Logik und der Sanktionsarchitektur. Iran werde ohnehin oft in Yuan bezahlt. Escobar vergleicht das mit der New Development Bank der BRICS, deren Statuten noch an den Dollar gekoppelt seien – ein Konstruktionsfehler, den Paulo Nogueira Batista, einer der Mitgründer, intern längst kritisiert habe. Die NDB sei zu klein, zu langsam, mit internen Blockaden und „trojanischen Pferden“. Eine SCO-Bank, von Anfang an anders gebaut, könne schneller wirken, auch für assoziierte Partner wie Afghanistan, sofern Russland und China die innerafghanischen und afghanisch-pakistanischen Konflikte einhegen. Taliban-Delegationen säßen bereits bei Foren in St. Petersburg und Wladiwostok am Tisch – nicht als Terrorakteure, sondern als Interessenten an Investitionen.

Ein weiteres, von Escobar hervorgehobenes Puzzle-Stück ist die Ankündigung des türkischen Außenministers Hakan Fidan: Die Vereinbarung zwischen Türkei, Saudi-Arabien und Pakistan trägt nun den Namen Mekka-Verteidigungsallianz (MDA). Sekretariat in Riad, erster Generalsekretär für drei Jahre ein Pakistani. Fünf oder sechs weitere Staaten seien interessiert; sicher genannt werden Bangladesch und Syrien, Ägypten gilt als Kandidat. Die VAE, selbst BRICS-Mitglied, wollten offenbar nicht beitreten. Escobar sieht darin eine weitere Schicht eurasisch-westasiatischer Selbstorganisation – von Westasien bis Südasien –, die auf SCO- und BRICS-Gipfeln unvermeidlich mitverhandelt werde.

Zusammen ergibt das für ihn ein Bild: SCO in Bischkek, Wirtschaftsforum in Wladiwostok, MDA-Institutionalisierung, BRICS in Neu-Delhi am 12. und 13. September. Überall Integration. Auf der anderen Seite Bombardierungen und ein Präsident, der auf eine mögliche lame-duck-Phase zusteuere. „Selbst Kamele in der Gobi-Wüste sehen das.“

Escobars Botschaft an das westliche Publikum ist praktisch: Folgt Bischkek, folgt Wladiwostok inklusive Putins langer Plenarsitzung, folgt Neu-Delhi. Dort werde in zwei Wochen sichtbar, wie weit Eurasien bei der Umgehung von Dollar, Sanktionen und unilateraler Gewalt bereits gekommen sei. Der Krieg um Iran sei in dieser Lesart nicht nur ein regionaler Schlagabtausch um Hormus und F-35-Hangars. Er sei der Versuch, mit Bomben eine Integrationsdynamik zu stoppen, die diplomatisch und ökonomisch schon weiter ist als die Eskalationsleiter, auf die Washington immer wieder zurückkehrt.

Ob die Satellitenbilder von Muwaffaq Salti einen durchgeschlagenen Hangar zeigen oder nur eine dunkle Stelle auf grober Copernicus-Auflösung, ändert an Escobars Rahmen wenig. Für ihn zählt die Struktur: Während die SCO eine Entwicklungsbank, Sicherheitszentren und Handelskorridore beschließt, kehrt der Krieg in den Golf zurück – nicht weil Diplomatie unmöglich gewesen wäre, sondern weil sie in Washington nicht als Off-Ramp, sondern als Schwäche gilt.


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Brisant: «Das NATO-Netzwerk in der Schweiz»

Die Mehrheit der Stimmbürgerinnen und Stimmbürger steht nach wie vor hinter der Neutralität – Umfragen sprechen von über 80 Prozent Zustimmung zum Prinzip. Die grossen Medienhäuser (mit Ausnahme der Weltwoche) und grosse Teile des Apparats in Bern hingegen treiben einen anderen Kurs. Lutz spricht von einem «asymmetrischen Informationskrieg»: Das VBS verfüge über mehr als hundert Kommunikationsstellen, während kritische Redaktionen nur über eine Handvoll Journalisten verfügen.

Besonders detailliert beschreibt Lutz die personellen Verflechtungen. Ein zentrales Beispiel ist der Thinktank Foraus. Gegründet von Nicolas Forster, der auch die Global Shapers Bern (ein WEF-Projekt) kuratiert, wird Foraus vom EDA und anderen Bundesstellen mit Hunderttausenden Franken jährlich finanziert. Lutz nennt die Organisation eine Rekrutierungsplattform für junge, transatlantisch ausgerichtete Akademiker.

Nach 2022 tauchten Foraus-Vertreterinnen plötzlich in zentralen Kommissionen auf. Elisa Cadelli, damalige Präsidentin von Foraus, sass in der Studienkommission Sicherheitspolitik unter Katja Gentinetta. Anna-Lina Müller, ebenfalls aus dem Foraus-Umfeld, erklärte plötzlich landesweit die Neutralität für beendet und plädierte für Waffenlieferungen an die Ukraine – obwohl sie sich zuvor kaum mit dem Thema beschäftigt hatte. Kurz darauf machte sie Karriere.

Ähnlich beim Center for Security Studies (CSS) der ETH Zürich. Der Thinktank liefert der Regierung regelmäßig Studien und Umfragen zur Neutralität, die dann genutzt werden, um den «Anti-Neutralitätskurs» voranzutreiben. Daniel Möckli, langjähriger hochrangiger EDA-Beamter unter Ignazio Cassis und zuständig für Strategieentwicklung, begleitete das CSS. Benno Zogg, der noch 2022 eine russische Invasion öffentlich für unwahrscheinlich hielt, wurde wenige Monate später Chef Strategie und Antizipation im neuen Staatssekretariat für Sicherheitspolitik (SEPOS) des VBS – und Leiter der interdepartementalen Gruppe für Beeinflussungsaktivitäten.

Lutz betont: Es gibt keinen einzelnen Strippenzieher. Es ist ein Ameisenhaufen mit gemeinsamer Grundausrichtung. Wer in diesem Netzwerk Karriere machen will, muss NATO-affin sein. Neutralitätsbefürworter und NATO-Kritiker hätten heute «keine Chance mehr», in höhere Positionen zu gelangen.

Alt-Bundesrat Ueli Maurer, ehemaliger Verteidigungs- und Finanzminister, spricht gegenüber Lutz von einer «Säuberungswelle» im VBS. Höhere Offiziere berichten, seit über zwei Jahren kämen keine Kader ab Brigadier aufwärts mehr durch, die die NATO-Anbindung nicht befürworten.

Aussenminister Ignazio Cassis und Verteidigungsminister Martin Pfister spielen laut Lutz zentrale Rollen – sie treiben den Prozess und werden gleichzeitig von ihm getrieben. Das EDA habe aktiv gegen die Neutralitätsinitiative und den Gegenvorschlag im Parlament lobbyiert, Druck auf die Aussenpolitische Kommission und die Einigungskonferenz ausgeübt. Cassis soll gesagt haben, er müsse sich «bei der ganzen Welt entschuldigen», falls die Initiative durchkomme.

Das VBS und das Staatssekretariat für Sicherheitspolitik erklärten bereits 2024 in der Ämterkonsultation, weder Initiative noch Gegenvorschlag dürften angenommen werden, weil sonst die künftige Zusammenarbeit mit der NATO unmöglich werde. Beide Departemente seien die entscheidenden Motoren für die Annäherung an NATO und EU.


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Nodes, Not Poles: Why the New Geoeconomic Order Is Multinodal, Not Multipolar

Every commentator now reaches for the same word. The American century is ending, the dollar’s grip is loosening, new blocs are forming, and the world, we are told, is becoming “multipolar.” The word feels precise. It is not. “Multipolar” imports a set of twentieth-century assumptions that actively misdescribe what is emerging in the global economy, and because the word we choose determines what we look for and what we measure, the wrong word produces the wrong analysis. There is a better one, and it is not merely a matter of style. The order taking shape is multinodal.

The distinction matters most precisely in the domain where change is fastest — the geoeconomic one, the world of payment rails, trade corridors, currencies, energy routes, and supply chains. That is a networked world, and networks are made of nodes, not poles.

A pole is a concept borrowed from physics and from Cold War strategy, and it carries freight. Start with the geometry: poles come in pairs. They are, by definition, opposed and equivalent — the north pole implies the south, the Soviet pole implied the American. Reach for the word “multipolar” and you have already imported the idea of a small number of roughly matched centers arranged in opposition. As one analyst has dryly observed, poles are paired opposites of comparable weight — and whatever else the present moment is, it is not a set of equivalent, opposed centers.

The metaphor smuggles in more than geometry. A pole is a center of gravity; lesser bodies orbit it. Built into the word is hierarchy — great powers at the center, clients in the surrounding spheres — and exclusivity, because a body can only fall within one gravitational well at a time. Built in, too, is a particular measure of power: mass. Polarity counts poles by aggregate weight — GDP, military spending, population — the heavier the body, the stronger its pull. And underneath all of it sits the realist picture of world order as a vertical structure with a hegemon, or contending hegemons, at the apex, where power means the capacity to coerce and security means avoiding defeat.

A node is a different kind of object. It is a point in a network, and it is defined not by its mass but by its connections — by how many links run through it and how much flows across them.

Hold those two pictures side by side and the difference becomes concrete. Nodes are many, and they vary wildly in size. They are joined by multiple, redundant links rather than arranged around a single center. They are non-hierarchical — a mesh, not a pyramid. They are measured by throughput, not tonnage. And they are non-exclusive: a node can be wired into a dozen other nodes at once, which is something no body orbiting a pole can do. That last property is not a footnote. It is the defining behavior of the present moment, and the pole metaphor renders it invisible.

This is why “multipolar” keeps producing bad predictions. It tells the analyst to tally great powers by mass, and so he counts the United States, China, perhaps Russia and India and the EU, and stops. He misses that a small state can be an enormous node — that the UAE, Singapore, Qatar, or a port like Gwadar can command flows out of all proportion to their weight. Polarity has no way to see them. Nodality is built to.

The single most important property of a network is that it routes around damage. Block one path and the flow finds another; the more redundant the links, the more resilient the whole. This is the entire de-dollarization story rendered in one sentence — and it is a sentence “multipolar” cannot form.

Anm. d. Red.: Eine wichtige Einschätzung für die Schweiz! All jene, welche immer von “Isolation” sprechen erreichen aktuell genau das Gegenteil mit ihrer Politik der Annäherung an EU und NATO. Wir vernetzen uns zu wenig mit der aufstrebenden, multinodalen Welt! Und wir sorgen damit dafür, dass wir noch mehr abhängig und damit beeinflussbar/erpressbar werden.

Words are lenses, and the lens determines the data. Reach for “multipolar” and you will count great powers, sort the world into camps, and wait for the blocs to harden — and you will keep being surprised when the dollar springs a leak, when a mid-sized state punches ten times its weight, when a treaty ally keeps trading with the adversary, when a sanction accelerates the very escape it was meant to prevent. Reach for “multinodal” and you will map connections and measure flows, and all of it resolves into a single, coherent phenomenon: a world rewiring itself from a hub-and-spoke system with one mandatory center into a dense mesh with many. That is not a multipolar world coming into being. It is a multinodal one — and getting the noun right is the first requirement for seeing it clearly.


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Feedstock Is Not Fuel: Why Venezuelan Crude Cannot Fix the Diesel and Jet Shortage

On 27 August 2026, President Trump announced what he called the biggest oil deal in world history — a US–Venezuela agreement giving the United States majority control of more than 65 billion barrels of Venezuelan reserves, which he said would “substantially lower Gas Prices for all Americans.

Independent analysts noted the arithmetic fails on that timeline: the 30 to 50 million barrels Trump floated is less than half a day of global consumption, the 65 billion is an in-ground estimate rather than available supply, and any price effect would take years. Miller’s briefing goes underneath that objection to the more fundamental one: Venezuelan crude is the wrong substance to fix the shortage Americans feel at the pump. It is not a magical fix. In the near term it is not a fix at all.

The shortage that bites right now is in product — diesel and jet fuel — and extra-heavy Venezuelan crude is not product. It is refinery feedstock. You cannot relieve a middle-distillate shortage with a barrel that still has to be diluted, blended, upgraded, coked, and hydroprocessed before it yields a usable gallon of anything.

This is why the “turn Venezuela on” reflex fails on its own terms. Even setting aside whether Caracas can produce more, the barrels that already exist do not add supply where the market is tight. Prompt US cargoes would largely be diverted from Venezuela’s current buyers — China, India, Europe — not created on top of global production. That reshuffles refinery slates and trade routes; it does not repair a physical shortage. A barrel moved from a Chinese refiner to a US one is a change of address, not a new barrel, and certainly not a new gallon of jet fuel.

The nature of the crude is the reason. Roughly three-quarters of Venezuelan production through 2028 is expected to be heavy, extra-heavy, or bitumen, with the Orinoco Belt supplying about 60%. That material is the raw input at the very front of the conversion process; the finished distillate barrel sits many capital-intensive steps downstream

Nor can the volume be conjured quickly. July 2026 output was near 1.1 million b/d — about a third of the 3.4 million b/d peak of 1998 — and the system that would lift it has been hollowed out: the EIA documents pipelines over 50 years old, power outages, constrained diluent, and impaired refineries, with PDVSA estimating some $8 billion for pipelines alone. Rystad puts full-cycle breakevens at $70–$80/bbl or higher and its base case adds only about 194,000 b/d through 4Q 2028; a return toward 3 million b/d would take well over $150 billion across 10–15 years. Large in-ground reserves, Miller stresses, are not deliverable supply — and the 65 billion barrels in the President’s announcement is exactly that kind of number: a resource estimate, not a delivery schedule.

The one enthusiast underscores the point. Chevron — the sole US major already producing there, at nearly 250,000 b/d under a special license — says it could raise flows about 50% in under two years, but even that lifts Venezuela’s total only to just above 1.1 million b/d, against a peak near 4 million. Smaller entrants like Hunt Oil and SLB signed the first fresh PDVSA deals in August, but the supermajors best equipped to finance a rebuild are, on the record, declining to write the checks. When the people holding the capital call a resource uninvestable, it is not a near-term supply solution.

Venezuela is a long-duration heavy-crude redevelopment option, not an emergency supply source — and specifically not a fuel solution. Existing cargoes can be rerouted, but that changes trade maps without adding a net barrel or a finished gallon; meaningful new production is years and well over a hundred billion dollars away, and the firms who would fund it have said so out loud. Whatever the “biggest oil deal in world history” is worth over a decade, it will not lower the price of diesel or jet fuel this year. The distillate shortage will not be solved in Caracas.


Warum bestellt Deutschland hunderte Panzer, wenn sie im modernen Krieg nutzlos sind?

Einst die begehrtesten westlichen Waffen der Ukraine, stehen die Panzer nun größtenteils ungenutzt in Wäldern versteckt und verstauben. Die mit großem Tamtam beschafften 10-Millionen-Dollar-Maschinen erwiesen sich als chancenlos gegenüber den billigen Drohnen, die heute das Schlachtfeld beherrschen. Dennoch hält die Ukraine sie instand und bildet Soldaten für ihrem Einsatz aus, während sie gleichzeitig nach neuen Einsatzmöglichkeiten sucht.

„Wir setzen gepanzerte Fahrzeuge praktisch gar nicht ein“, sagte Alexander Syrsky, der bis zum letzten Monat Oberbefehlshaber der Ukraine war, kürzlich. „Das wirft die Frage auf: Wie können wir diesen Vorteil der Drohnen neutralisieren und unseren Panzern neues Leben einhauchen?“

Die Ukraine begann fast unmittelbar nach Russlands Vollinvasion im Februar 2022, als Panzer als unerlässlich galten, um westliche Panzer zu bitten. Kiews Verbündete weigerten sich bis Januar 2023, Panzer zu schicken. Erst nach schwierigen Verhandlungen und öffentlichem Druck änderten Großbritannien, Deutschland und die USA ihre Meinung.

Die 33. Brigade wurde unter anderem aufgestellt, um diese westlichen Panzer zu bekommen. Doch als sie im späten Frühjahr in den Kampf eingriff, forderten billige Drohnen bereits tödliche Verluste und konnten Panzer an ihren empfindlichsten Stellen treffen.

Die russischen Streitkräfte begannen, ihre Panzer mit Anti-Drohnen-Netzen und -Käfigen zu schützen. „Damals lachten die Leute darüber und meinten, sie würden Grills bauen“, erinnerte sich ein Chef der Panzerwartung der 33. Brigade mit dem Rufnamen Energetik. „Aber sie waren auf dem richtigen Weg.“

Die Ukraine zog nach und rüstete ihre Panzer mit Schutzkäfigen und Reaktivpanzerung – Außenpanzerplatten, die bei einem Treffer detonieren, um angreifende Munition abzuwehren – aus, in der Hoffnung, die Panzer einsatzfähig zu halten.

Doch schon bald verzichteten beide Seiten bei Angriffen auf den Einsatz schwerer Panzer.

Fin, der Kompaniechef, betonte, dass Panzer nicht in Vergessenheit geraten würden, da neue Technologien es ihnen erlauben würden, sich anzupassen.

Vielleicht werden sie mit KI ausgestattet, um Schutzkuppeln zu erzeugen, schlug er vor, oder sie haben eigene Drohnenabwehrsysteme.

Die Rückkehr von Panzern in den Kampf erfordere einen bedeutenden technologischen Durchbruch, fügte er hinzu.

„Ich bin überzeugt, dass Panzer noch eine Zukunft haben, aber es gibt eine Einschränkung“, sagte Morpheus und fügte hinzu: „Ich denke, sie werden unbemannt sein.“


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Warum Russland gewinnt

Militärisch hat Russland bewiesen, dass es diesem Riesengegner gewachsen ist. Ich verweise auf die Frontberichte, welche nicht propagandistisch, sondern faktisch informieren. Tatsache ist, dass die Front in der Ukraine am Bröckeln ist und der Vormarsch russischer Truppen sich verstetigt und seit einigen Wochen beschleunigt. Die letzten befestigten Städte wie Kramatorsk und Slawjansk werden Schritt für Schritt von den Russen eingeschlossen. Die Luftabwehr der Ukraine ist praktisch zum Erliegen gekommen, was den Russen erlaubt, die Front aus der Luft direkt zu bombardieren.

Die andere Front, Russland als Ziel terroristischer Anschläge, dient dem Westen als Mass des russischen Untergangs. Tatsache ist, dass diese Anschläge – etwa gegen Wildberries und Ozon – und russische Energieinfrastruktur durchaus einen störenden Einfluss auf das Leben in Russland haben, jedoch in keiner Weise einen Einfluss auf den militärischen Ablauf des Konflikts. Zudem wurde die Ukraine als Folge seiner Angriffe auf Russland in den letzten Wochen zum Binnenland. Der Hafen von Odessa ist ausser Betrieb und damit hat die Ukraine den einzigen effizienten Weg, Weizen zu exportieren, verloren. Mit dem Wegfall des Schwarzen Meeres als Handelsweg verlor die Ukraine über 70 % der Handelsinfrastruktur für Exporte.

Wie unterschiedlich Russland bzw. die Ukraine mit ihren Soldaten umgehen, ist augenscheinlich, bzw. schockierend. In Russland wird niemand an die Front geschickt, der nicht kämpfen will. Pro Monat melden sich mehr als genug junge Männer zum Dienst an der Front. In der Ukraine werden junge Männer auf der Strasse, in Cafés, Sportclubs und an Schulen regelrecht gejagt und nach einer Schnellbleiche zum Sterben an die Front gesandt. Jetzt geht die Ukraine einen Schritt weiter, und es werden bald Frauen an die Front geschickt.

Für russische verletzte Soldaten tut die russische Armee alles, was möglich ist. Man hört Geschichten in der Ukraine, dass man als verletzter ukrainischer Soldat lediglich Behandlung erhält, falls man zahlt. Weiter hört man, dass gefallene ukrainische Soldaten von den eigenen Leuten in Massengräbern verscharrt werden, einerseits um es den Offizieren zu erlauben, weiterhin Sold für tote Soldaten in die eigenen Taschen zu stecken (der Sold wird in der Ukraine über die Kommandeure ausgezahlt) und andererseits, um den Hinterbliebenen keine Witwenrenten zahlen zu müssen. Das scheint die Realität zu sein, von der niemand im Westen spricht. Das soll nicht heissen, dass der Fronteinsatz für die russischen Soldaten nicht verheerend ist, er ist es für alle. Tatsache ist jedoch, dass die russischen Soldaten motivierter sind, eine Grundvoraussetzung für einen Sieg. Sie wissen, dass ihre Armeeführung und die Gesellschaft alles unternimmt, um sie zu schützen.

Im Februar 2022 setzte ein Sanktionssturm gegen Russland ein, mit dem Ziel, das Land in kürzester Zeit in die Knie zu zwingen. Dieses Vorhaben scheiterte kläglich, und Russland überstand diesen Wirtschaftskrieg nicht nur, sondern schaffte es, die Wirtschaftsleistung deutlich zu steigern. Europa und speziell Deutschland mussten mit ansehen, dass das Sanktionsregime Europa und speziell Deutschland schädigt; der Industriestandort Deutschland in seiner bisherigen Form ist Geschichte.

Gegenwärtig bezahlt der amerikanische Staat auf seine eigenen Schulden von 40 Billionen Dollar einen Zins von ca. 3,35%, das sind 1,340 Billionen oder gut 25% des Steueraufkommens von 5,235 Billionen (2025). Dies ist bereits katastrophal. Wenn die Zinsen noch weiter steigen – und das werden sie – so ist der Kollaps nicht mehr weit.

Falls der amerikanische Bond-Markt kollabiert, werden die Amerikaner den gesamten kollektiven Westen in den Abgrund reissen.

Das Sanktionsregime sorgt dafür, dass Russland den westlichen Marktrisiken nicht ausgesetzt ist. Der beschriebene Kollaps würde Russland demnach höchstens peripher tangieren.

Im Gegensatz zu Europa hat Russland den Schritt zur Kriegswirtschaft bereits vollzogen. Dieser Schritt fiel Russland sehr viel leichter als den USA und ihren NATO-Vasallen, da alle wichtigen Rüstungsfirmen unter Kontrolle des russischen Staates stehen. Die NATO beschränkt sich darauf, grosse Ankündigungen zu machen und viele Gelder bereitzustellen.

Sie [die Russen] produzieren derzeit bei Munition in drei Monaten das, was die gesamte NATO in einem Jahr produziert.» – Mark Rutte, 21. Mai 2025

Das Grundproblem der amerikanischen Waffenproduktion besteht in den Eigentumsverhältnissen der Rüstungsindustrie. Dem amerikanischen militärisch-industriellen Komplex geht es nicht darum, effiziente und hochkarätige Waffensysteme in grosser Zahl zu produzieren, sondern viel Geld zu verdienen. Die Konsequenzen konnte die gesamte Welt im laufenden Konflikt im Nahen Osten sehen. Die Amerikaner haben in 40 Tagen Krieg mit dem Iran, je nach Munitionsart, 50% bis 80% ihrer gesamten Vorräte verbraucht. Sie werden zwischen zwei und acht Jahren benötigen, um dieses Defizit wieder auszugleichen. Ein Zeichen dafür, dass der kollektive Westen in keiner Art und Weise gerüstet ist, einen längeren militärischen Konflikt erfolgreich führen zu können.

Man kann in Russland viele verschiedene Meinungen zum Kriegsverlauf hören, auch sehr skeptische, wenn es um die Intensität und das Ausmass des Konflikts geht – siehe etwa Karaganov, welcher die Meinung vertritt, dass etwa Deutschland die Furcht vor den militärischen Fähigkeiten Russlands verloren habe und zur Abschreckung einen Nuklearschlag gegen Europa befürwortet (Karaganov-Doktrin). Präsident Putins Strategie wird durchaus öffentlich diskutiert und kritisiert. Putin, welcher einen deeskalierenden Charakter hat, liess sich vor ein paar Tagen von der Duma – und somit vom Volk – seinen Kurs nicht nur bestätigen, sondern die Duma Abgeordneten befürworteten ein härteres Vorgehen mit «mehr Mut», auch wenn dabei der Blutzoll erhöht wird.

Diese Diskussion wird in aller Öffentlichkeit ausgetragen und ist Bestätigung für die Lebendigkeit der öffentlichen Meinungsäusserung in Russland. Eine solche Diskussion über die Kriegsstrategie kann nur in einem Land geführt werden, das einig ist. Das Ziel ist die einigende Klammer.

Die Hauptingredienz der westlichen Strategie ist Hass: Hass auf Putin, auf Russland, auf die Russen, auf alles Russische inklusive der russischen Kultur. Das ist auf den ersten Blick eine primitive und einfach zu implementierende Strategie, derer sich bereits die Nazis bedienten. Hass zersetzt jedoch nicht den Gegner, sondern jene, welche dieses Gefühl sähen – die westliche Gesellschaft selbst. Es ist nicht nachhaltig, permanent gegen etwas zu sein, wenn man nicht weiss, wofür man selbst einsteht. Und das ist das Problem der westlichen Gesellschaften. Gleichzeitig ist es das ganze Geheimnis des Erfolgs der Russen, das sie zum Sieg führen wird. In diesem Konflikt wird jener gewinnen, der neben den oben besprochenen harten Faktoren Durchhaltewillen zeigt. Den kann man nur entwickeln, wenn man für etwas mit Überzeugung einsteht.

Man kann sich des Eindrucks nicht entziehen, dass den Herrschenden im Westen die Wohlfahrt der Bevölkerung egal ist.

Fazit

Es bedarf vieler Elemente, um einen langandauernden Konflikt zu gewinnen. Neben rein militärischer Stärke spielen wirtschaftliche Faktoren und Unabhängigkeit vom Welthandel eine grosse Rolle. Entscheidend ist allerdings ein Volk, das hinter der Regierung steht und bereit ist, diesen Weg mitzugehen.

In jedem dieser Punkte liegt der Vorteil auf Seiten Russlands. Man kann nur hoffen, dass die Entscheidungsträger im Westen das rechtzeitig einsehen; nur dann kann ein Blutvergiessen verhindert werden, das in der Geschichte präzedenzlos wäre.