
Weitere Netzfunde in der wöchentlichen Zusammenstellung.
Martin Armstrong in the “World War III” Series: Empires always fail
Martin Armstrong has long been known for his very influential work on global capital flow analysis and cyclical economic trends. The forecasting models he designed have anticipated sovereign debt crises and times of geopolitical instability, with his most widely recognized forecasting framework being the Economic Confidence Model (ECM). He has successfully predicted a number of major events, including the 1987 global stock market crash, the 1998 Russian sovereign debt crisis, and the European sovereign debt crisis in the early 2010s.
In the interview that follows, he draws from his experience in pattern recognition and his deep historical knowledge and shares his insights on the current conflicts we’re witnessing, their origins and the motivations behind them. He points out clear patterns and lessons from history, that our current leaders seemingly never learned, to show how Western nations are repeating the mistakes of the past. After all, “there are no mirrors in government” as he highlights, and unlike people, administrations change and have no collective memory. The problem is, of course, that the mistakes they are repeating are far from harmless or honest: They are cold and psychopathic calculations that put political gains over countless human lives and endless suffering – and the gains don’t even materialize in the end.
Armstrong shines a bright light on the hypocrisy of the West, especially when it comes to the Ukraine war. Every accusation is a confession: Attacks on individual liberty, freedom of expression, financial repression; everything that European “morally superior” leaders are accusing President Putin of, is precisely what they have done in their own countries.
Armstrong also broadens his criticism to include the sanctions strategy used against countries like Russia and Iran. He points to the historical record to show that sanctions fail to achieve regime change and instead harm civilian populations while at the same time strengthening alternative alliances. As an example, he argues that sanctions on Iran encouraged closer cooperation with China, especially in the energy sector. The West clearly made similar miscalculations in its sanctions offensive against Russia, where the pressure has not produced the political collapse they were hoping for, but instead reinforced opposition to Western influence and led countries beyond just Russia to rethink their dependence on the USD.
Perhaps the most intriguing revelation in the interview, even though it’s something that instinctively many of us know, is that money flows are the best predictor of imminent conflict. As Armstrong confirms, you know war is coming when you see money moving in advance, because somebody always knows what’s been planned. He uses the example of October 7, where all the defense stocks started moving a week in advance. The recent attack on Iran was the same: one would have expected gold and the dollar to experience wild swings, but it didn’t happen, because insiders knew in advance that it would all be over very quickly.
🇨🇭⭐️⭐️⭐️⭐️
Unsere Militärdoktrin ist tot
Seit Herbst 2023 wird der Ukraine-Krieg überwiegend als Stellungskrieg und Abnützungskrieg geführt.
Dabei stehen sich tiefe Verteidigungssysteme gegenüber. Die vordere Gefechtsstellung / Hauptkampflinie besteht jeweils aus einigen Schützengräben, verstärkt mit Infanteriebunkern und einer Vorfeldzone.
Sie sind so aufgebaut, dass sie sich gegenseitig unterstützen können. Diese Stellungen sind, obwohl jeweils nur durch eine geringe Anzahl Infanteristen verteidigt, für einen Angreifer sehr schwierig zu bekämpfen.
Im Laufe von 2024 erkannten die russischen Planer, wie ihre Armee diese Befestigungen systematisch überwinden konnten.
Es erfolgt typischerweise nach dem immer gleichen Ansatz. Zuerst wird die Stellung mit einem virtuellen „Drohnennetz“ überzogen.
Das Ziel dieser Drohnen ist es nicht, die Stellungen zu bekämpfen. Der Sprengkörper einer FPV-Drohnen liegt nur im Rahmen einer Handgranate.
Das Drohnennetz hat einen anderen Zweck. Es soll die Stellung von Versorgung durch Fahrzeuge abschneiden.
Der Effekt gleicht einer operativen Einkreisung. Die fehlende Versorgung lässt die Kampfkraft der Besatzung rasch erodieren.
Die Soldaten sind zu lange im Feld, Munition wird knapp, die Moral sinkt, Treibstoff für das Abpumpen von Wasser geht aus, die Wärmeproduktion fehlt.
Parallel wird die Stellung mit lenkbaren FAB-Bomben belegt.
Laut Aussagen des ukrainischen Präsidenten Selenski auf X vom 1. August 2025 bis zu 5’000 Stück pro Monat.
Die FAB-Bomben sind äusserst günstig in der Produktion. Schätzungen reichen für eine FAB-500 inklusive UMPK-Lenksystem von 10’000 US-Dollar (OSINT-Quellen) bis zu 25’000 Dollar (Wikipedia) pro Stück.
Eine FAB-500 setzt hingegen gut 900 MJ frei. Dies reicht problemlos aus, erhebliche Teile einer solchen Stellung zu zerstören.
Selbst wenn die Verteidiger den Treffer überleben, wird es wahrscheinlich durch die Druckwelle Verwundete geben. Diese können aber, da sich die Stellung unter dem Drohnennetz befindet, nicht oder nur mit enormem Risiko evakuiert werden.
Dadurch kollabiert der Kampfwert – die Fähigkeit und der Kampfwille – der Verteidiger. Zudem sind die verbleibenden Verteidiger nicht mehr in der Lage, angrenzende Stellungen in irgendeiner Form offensiv zu unterstützen.
Nach mehreren Treffern, ergänzt durch einen Beschuss mit traditioneller Artillerie, erfolgt idealtypisch ein Vorstoss durch eine kleine Infanterie-Gruppe (meist nur 3 bis 5 Soldaten), interessanterweise oft mit leichten Motorrädern.
Die Besatzung der Stellung ist zu diesem Zeitpunkt nur selten noch zu einer organisierten Gegenwehr fähig.
Die Durchführung bedingt eine Integration von verbundenen Waffen, wie es noch vor wenigen Jahren völlig undenkbar war.
Interessanterweise erfolgen in vielen Frontabschnitten keine Infanterieangriffe. Es werden sogar gewisse Rotationen und Versorgungen erlaubt, so dass die Stellungen ihren Kampfwert erhalten.
Die ukrainische Seite hat verschiedene Ansätze unternommen, um die Situation zu verändern. So wird die Dichte der Stellungen offensichtlich weiter reduziert.
Ebenso wird eine Art defensives Drohnennetz aufgebaut, bei dem die eigene Stellung durch den Einsatz von FPV-Drohnen verstärkt wird.
Das bedeutet, dass Drohnen über der eigenen Stellung zur Abwehr gegnerischer Infanterie eingesetzt werden.
Die westlichen Streitkräfte haben diese Herausforderungen des taktischen Drohnenkriegs noch nicht einmal aufgenommen, geschweige denn in ihre Militärdoktrinen integriert. Hier gibt es einen dringenden Handlungsbedarf.
Selbst die USA befassen sich erst seit 2025 halbherzig mit dem Einsatz von FPV-Drohnen (zum Beispiel MCADT). Einige Schritte wirken geradezu lächerlich in Bezug auf die geplanten Mengen.
So planen die USA, mittelfristig alle ihre 10 aktiven Divisionen mit je 1’000 Drohnen auszustatten (WSJ 2025). Zum Vergleich: Russland und die Ukraine setzen pro Tag oft mehr als 1’000 FPV-Drohnen ein.
Die Ukraine hat mehrfach versucht, Patriot-Systeme näher an der Front zu stationieren, um die gegnerischen Flugzeuge zu bekämpfen. Das endete aber regelmässig im Verlust dieser sehr teuren und wenig beweglichen Systeme durch Lenkwaffen.
Es braucht auch mit geübter Besatzung und unter Idealbedingungen mehrere Stunden, bis eine Patriot-Batterie auf- und abgebaut ist.
Dringend gefragt sind flexible, kosteneffiziente Fliegerabwehrsysteme mit einer Reichweite von über 100 km, die eine angemessene Überlebenschance auch in der Nähe der Front aufweisen, also vor allem innert vernünftiger Zeit auf- und abgebaut werden können.
Leider sind solche Systeme heute noch nicht einmal in Entwicklung und somit auf absehbare Zeit nicht verfügbar.
Was kann die 🇨🇭 Schweiz daraus lernen?
Wir müssen die Ereignisse ab Sommer 2023 rücksichtslos und emotionsfrei analysieren und die sich daraus ergebenden Konsequenzen ableiten.
Auch bei anderen Paradigmenwechseln in der Kriegsführung gab es zahlreiche Personen, die weiter an den bekannten Grundsätzen festhalten wollten und nicht lernbereit waren.
Besonders erstaunlich im aktuellen Umfeld sind Forderungen von (ehemaligen) Panzeroffizieren, zusätzliche Mittel in die Schweizer Panzerwaffe zu investieren (OG Panzer 2025).
Ich möchte es deutlich sagen: In der Ukraine ist die herkömmliche „westliche“ Militärdoktrin gestorben.
Dies zwingt die Schweizer Armee, neu zu denken – bezüglich Ausbildung, Führungssystemes und Ausrüstung.
Vor allem bedeutet es Verzicht.
Es scheint mir nicht besonders sinnvoll, weiterhin auf Panzerpisten Übungen durchzuführen, die offensichtlich nur noch in einem Umfeld völliger Luftüberlegenheit und in Abwesenheit von FPV-Drohnen funktionieren.
Insbesondere die Panzerwaffe wird sich deutlich verkleinern müssen und inskünftig nur noch eine spezialisierte Nischenrolle einnehmen, zum Beispiel als mobile Feuerunterstützung.
Es ist denkbar, dass es irgendwann eine Renaissance von gepanzerten Fahrzeugen geben wird. Aber dannzumal werden das mit Sicherheit völlig neue Systeme mit neuartigen Einsatzdoktrinen sein.
Sinnvoller wäre es beispielsweise, in Übungen Stellungen mit zugehörigen Grabensystemen wie in der Ukraine in Schweizer Mittelgebirgen zu erstellen und dort praktische Erfahrungen zu sammeln.
Dabei denke ich speziell an logistische Fragen: Wie lange dauert die Erstellung? Welches Gerät ist optimal geeignet?
Wie kann man die Stellungen trocken halten, vor allem auch im nassen oder gar moorigen Boden? Welche Versorgungsmengen braucht es?
Die gewonnenen Erkenntnisse müssen wir formalisieren und weiter verbreiten. Gleiches gilt für den Einsatz und die Abwehr von Drohnen.
Hier ist der Handlungsbedarf besonders dringend, zuallererst bei FPV-Drohnen. Es geht nicht nur um deren Beschaffung; die FPV basieren üblicherweise auf kommerziellen Drohnen, die mit Sprengkörpern ausgestattet werden.
Das Problem liegt in der Steuerung, der Einsatzdoktrin und der Ausbildung von Piloten. Die Schweiz hat die Voraussetzungen, um fit zu werden und im Ernstfall eine effektive Verteidigung zu organisieren.
Auch ohne eine starke Fliegerabwehr.
Zu ihr noch ein paar Worte: Man kann so hohe Budgets fordern und sprechen, wie man will. Wirksame Fliegerabwehrsysteme sind aktuell am westlichen Waffenmarkt schlicht zu keinem Preis verfügbar.
Die geringen verfügbaren Produktionsmengen landen auf absehbare Zeit in der Ukraine und in Israel.
Selbst nachher wird es viele Jahre dauern, bis die Munitionsvorräte in den Nato-Staaten wieder aufgestockt sind.
Es braucht also neue Ansätze, dieses auf absehbare Zeit bestehende Defizit in der Fliegerabwehr zu kompensieren.
Die Topographie spielt uns in die Hände. Im Mittelgebirge (Jura, Voralpen) bietet das Gelände einen gewissen Schutz vor Gleitbomben.
Das neue Paradigma mit der Bedeutung der modernen Drohnen und den Grabensystem stellt für die Schweiz eine Chance dar, eine schlagkräftige und kosteneffiziente Verteidigungsarmee aufzubauen.
Das Vorhaben funktioniert aber nur, wenn wir uns von überholten Konzepten lösen und am Machbaren statt am Wünschbaren orientieren.
Eilmeldung: Kim Dotcom berichtet über mutmaßlichen Palantir-Hack – Schwere Vorwürfe im Raum
Der Internetunternehmer Kim Dotcom hat auf der Plattform X eine brisante Behauptung veröffentlicht: Der US-Datenanalysekonzern Palantir sei angeblich gehackt worden. Laut Dotcom sei ein KI-Agent eingesetzt worden, um sich Superuser-Zugriff auf interne Systeme zu verschaffen. Eine unabhängige Bestätigung für diese Angaben liegt bislang nicht vor.
Nach Darstellung Dotcoms sollen die mutmaßlichen Hacker auf hochsensible Informationen gestoßen sein. Demnach würden Palantir-Mitgründer Peter Thiel und CEO Alex Karp weltweit Staats- und Wirtschaftsführer überwachen. Es soll Tausende Stunden transkribierter und durchsuchbarer Gespräche von US-Politikern wie Donald Trump, JD Vance sowie Unternehmer Elon Musk geben.
Weiter wird behauptet, Palantir habe sich Zugriff auf Geräte, Fahrzeuge und sogar Privatjets internationaler Entscheidungsträger verschafft und dabei ein umfangreiches Archiv potenziellen Erpressungsmaterials aufgebaut. Auch diese Vorwürfe sind bislang nicht belegt.
Besonders brisant sind die geopolitischen Anschuldigungen: Palantir entwickle demnach Atom- und Biowaffenkapazitäten für die Ukraine und arbeite eng mit der CIA zusammen, um Russland strategisch zu schwächen. Ziel sei es angeblich, Russland durch Friedensverhandlungen hinzuhalten, während militärische Fähigkeiten ausgebaut würden. Für diese Darstellung existieren keine unabhängigen Beweise.
Zudem wird Palantir eine zentrale Rolle bei militärischen Operationen Israels im Gazastreifen zugeschrieben. Das Unternehmen soll KI-gestützte Zielerfassungssysteme entwickelt haben. Bekannt ist, dass Palantir Softwarelösungen für Verteidigungs- und Sicherheitsbehörden bereitstellt; konkrete operative Verantwortlichkeiten für militärische Entscheidungen sind jedoch öffentlich nicht belegt.
Ein weiterer schwerwiegender Vorwurf lautet, Palantir fungiere faktisch als Teilstruktur der CIA und kopiere sämtliche Kundendaten in eine Geheimdienst-Cloud. Auch hierfür gibt es bislang keine verifizierten Belege.
Dotcom erklärte weiter, die angeblich erbeuteten Daten könnten an Russland und/oder China weitergegeben werden. Er selbst sei als „vertrauenswürdiger Partner“ für eine mögliche Veröffentlichung ausgewählt worden, sei jedoch weder am Hack beteiligt gewesen noch kenne er die mutmaßlichen Hacker persönlich. Gleichzeitig betonte er, er wisse, dass der Hack stattgefunden habe.
Bislang hat Palantir die Vorwürfe nicht öffentlich kommentiert. Unabhängige Cybersecurity-Analysten oder offizielle Stellen haben den behaupteten Hack ebenfalls nicht bestätigt.
Sollten sich auch nur Teile der Anschuldigungen als zutreffend erweisen, hätte dies gravierende politische, sicherheitstechnische und wirtschaftliche Folgen. Zum jetzigen Zeitpunkt bleiben die Vorwürfe jedoch unbestätigt und sind mit äußerster Vorsicht zu betrachten.
Israels Landraub und die Besetzung im Westjordanland eskalieren
Laut Völkerrecht (Genfer Konvention Art. 49,6) darf eine Besatzungsmacht «keine Teile der eigenen Zivilbevölkerung in das von ihr besetzte Gebiet umsiedeln». Im Jahr 2015 stellte der UN-Sicherheitsrat ohne Gegenstimme fest, dass die israelischen Siedlungen im Gebiet, das Israel seit 1967 besetzt hält, «das internationale Recht evident verletzen». Nur die USA enthielten sich der Stimme.
Das Leben im Westjordanland hat sich dramatisch verschlechtert:
Allein in den letzten drei Jahren gab es nach Berichten der Uno mehr als 1200 palästinensische Todesopfer – fast doppelt so viele wie im Jahrzehnt zuvor.
Siedler und das Militär haben im Jahr 2025 mehr als 1500 palästinensische Gebäude zerstört – doppelt so viele wie im Jahresdurchschnitt des Jahrzehnts vor dem Krieg.
Im Oktober 2025 – während die «New York Times»-Journalisten im Westjordanland waren – kam es täglich zu durchschnittlich acht Angriffen von extremistischen Siedlern. Das sei die höchste Zahl, seit die Uno vor zwanzig Jahren begann, diese Vorfälle zu registrieren.
Nach Angaben der Uno verletzten Siedler seit dem 1. Oktober 2025 bei etwa 180 Angriffen auf Arbeiter in Olivenplantagen mehr als 150 Palästinenser.
«Die israelischen Angriffe haben ein freies palästinensisches Leben im Westjordanland so gut wie unmöglich gemacht. Zwar regiert die Palästinensische Autonomiebehörde einen Teil des Westjordanlands, doch bleibt das israelische Militär die Besatzungsmacht des gesamten Gebiets. Das Militärrecht hat Vorrang vor den Vorschriften der Autonomiebehörde.
Es gibt kaum Rechtsstaatlichkeit. Die Dorfbewohner sind der Willkür von Siedlern und Mitgliedern von Militärkommandos ausgeliefert. Diese betreiben Selbstjustiz und üben fast uneingeschränkte Macht über sie aus. Regelmässig nimmt das Militär Palästinenser ohne nähere Erklärung oder Begründung fest.»
Die «NYT»-Journalistinnen und -Journalisten beschreiben, wie die Siedler in der Regel vorgehen: Zuerst entstehen jüdische Aussenposten, die nach israelischem Recht illegal sind: ein kleiner Wohnwagen oder ein grosses Zelt. Diese ersten Siedler sind oft junge Extremisten, deren Ansichten die rechtsextreme Ideologie der Regierung sogar übertreffen. Sie handelten in der Regel nicht auf direkten Befehl der israelischen Militärführung. Doch sie wüssten, dass das Militär häufig wegschaut und ihr Vorprellen erleichtert.
Oft sei es dann das Militär, das die Palästinenser zur Evakuierung ihrer Häuser zwinge und die Zerstörung ihrer Häuser anordne, sobald die Siedler die Einwohner zur Flucht getrieben haben.
Das israelische Militär hilft auch, Strassensperren aus Eisen zu errichten, welche die Dorfbewohner vom Rest des Westjordanlands abschneiden.
Nach einigen Wochen oder wenigen Monaten genehmigt die Regierung die neuen israelischen Aussenposten. Darauf können Siedler Häuser, Geschäfte, Schulen und Strassen bauen, um Hunderte jüdischer Familien unterzubringen.
Das Gegenteil geschieht in den palästinensischen Dörfern: Schulen werden geschlossen, Bauern von ihrem Land abgeschnitten und Häuser zerstört.
«Berechtigte Zweifel, dass Russland die Nato bedroht»
Wegen der Bedrohung Russlands seien Rekordausgaben zum Aufrüsten «zwingend notwendig»: So der allgemeine Tenor.
«Daran gibt es berechtigte Zweifel», meint Johannes Varwick* in seinem soeben erschienenen Buch «Stark für den Frieden – Was jetzt für eine rationale Sicherheitspolitik zu tun ist».
«So dumm ist Putin nicht. Solange er davon ausgehen muss, dass die Nato auf einen Angriff militärisch reagiert, wird er nicht versuchen, sich Litauen oder andere baltische Staaten einzuverleiben – geschweige denn Deutschland anzugreifen. Für Hysterie besteht überhaupt kein Anlass.»
Das sagte der Friedens- und Konfliktforscher Herbert Wulf.
Michael Rühle, ein langjähriger deutscher Nato-Mitarbeiter, erklärte in «Cicero»:
«Es vergeht kaum ein Tag, an dem nicht ein deutscher General, ein Militärhistoriker oder ein Politikprofessor mit sorgenvollem Stirnrunzeln seine Einschätzung zum bevorstehenden Angriff Russlands zum Besten gibt. In spätestens drei, vier oder fünf Jahren, so orakeln die Kassandras, könnte Russland in der Lage sein, die Nato anzugreifen.»
Bei diesem «Wettbewerb der Schwarzseher», erklärte Rühle, «handelt es sich um keine seriösen Bedrohungsanalysen, sondern um kalkulierte politische Botschaften, mit denen man vor allem verhindern will, dass die westliche Unterstützung für die Ukraine nachlässt».
Experten wie Carlo Masala oder Sönke Neitzel – also jene, welche die Bedrohungsperzeption inklusive der Zeitlinie 2029 öffentlich in die Medien trugen – geben inzwischen zumindest implizit zu, auf welch dünner Grundlage ihre Argumentation fusst.
So meint Carlo Masala in einem «Zeit»-Interview auf die Frage, worauf sein Szenario basiere: «Wir bereiten uns auf den schlimmsten Fall vor … Politiker müssen sagen, dass Russland 2029 einen Krieg führen könnte, um die Menschen auf höhere Verteidigungsmaßnahmen einzustimmen.»
Die Fakten sehen anders aus: Die Nato-Staaten geben etwa zehnmal so viel Geld für Rüstung aus wie Russland. Den insgesamt rund 1474 Milliarden Dollar, die alle derzeit 32 Nato-Staaten 2024 gemeinsam aufwenden, steht ein russischer Verteidigungshaushalt gegenüber, der – obschon er ebenfalls rasant wächst – ein Bruchteil davon beträgt.
Dies gilt selbst dann, wenn man nur die Ausgaben der europäischen Staaten addiert. Diese liegen bei insgesamt 507 Milliarden Dollar.
Damit stellt sich die Frage, auf welcher Bedrohungsanalyse die Aussage beruht: «Angriff Russlands auf die Nato im Jahr 2029.»
Das heisst, ein eventueller russischer Angriff auf die Nato würde eine vernichtende militärische Reaktion auslösen, die vorrangig Kaliningrad, die russische Ostseeflotte und den westlichen Grenzraum Russlands treffen würde – für Moskau ein existenzielles Risiko. Trotz aggressiver Rhetorik gibt es kaum Hinweise darauf, dass Russland bereit oder fähig wäre, ein solches Risiko einzugehen.
Ein Russland, das grosse Schwierigkeiten hat, seine Ziele in der Ukraine zu erreichen, ist eine beherrschbare militärische Bedrohung.
Zudem ist die Nato heute und auf absehbare Zeit in praktisch allen militärischen Belangen ungleich stärker als Russland. Dies gilt selbst dann, wenn man nur die Ausgaben beziehungsweise die Ausstattung der europäischen Staaten inklusive Grossbritannien addiert.
Die „Welt“ inszeniert ein Planspiel, das allzu schnell Realität werden kann
Solche Planspiele sind nichts Ungewöhnliches und das tägliche Handwerk von Militärs. Sie würden ihren Job nicht machen, wenn sie nicht mögliche Kriegsszenarien durchspielen würden. Die Tatsache, dass es solche Planspiele gibt ist also keine große Meldung.
Das Planspiel zeigt, warum ich ständig vor wachsender Kriegsgefahr rede. Ob der Ausgang des Planspiels, dass die russische Armee die NATO überrumpelt, realistisch ist, sei mal dahin gestellt. Was an dem Planspiel allerdings sehr realistisch ist, ist der Kriegsgrund – und darauf will ich mich hier konzentrieren.
Die „Bild“ fasst des Ausgangspunkt des Szenarios so zusammen:
„Im Szenario war es so, dass es einen Waffenstillstand im Sommer 2026 gibt und Russland dann einige Monate Zeit hatte, seine Truppen (…) aufzufrischen, neu auszubilden, auch zu verschieben.“ Der Waffenstillstand in der Ukraine sei zwar brüchig, aber Russland benötige nicht mehr alle seine Truppen an der Front. Weiterer Bestandteil des Szenarios: Kreml-Diktator Wladimir Putin erfindet einen Vorwand – eine humanitäre Krise in der russischen Exklave Kaliningrad. Um einen angeblichen humanitären Korridor zu schaffen, marschieren russische Truppen in Litauen ein und besetzen die strategisch wichtige Stadt Marijampolė.“
Es geht also um eine Blockade Kaliningrads durch NATO-Staaten und die darauf folgende Reaktion Russlands.
konzentrieren uns auf den Kern des Problems, eine mögliche Blockade von Kaliningrad und die möglichen russischen Reaktionen. Damit stellt sich zunächst mal die Frage, ob eine Blockade Kaliningrads in der Realität zu erwarten ist.
Das ist in Deutschland kaum jemandem bekannt, aber die Antwort lautet: Ja, so ein Szenario ist sogar sehr aktuell und realistisch.
Kaliningrad ist eine russische Exklave und nach dem Zerfall der Sowjetunion wurde in mehreren Abkommen der Transit von Waren und Menschen zwischen dem russischen Kernland und Kaliningrad durch das Staatsgebiet von Litauen geregelt. Das erste Abkommen haben Russland und Litauen 1994 geschlossen. Nachdem Litauen der EU beigetreten ist, musste das Abkommen entsprechend aktualisiert werden, dazu haben Russland und die EU 2002 und 2004 gemeinsame Verpflichtungserklärungen abgegeben. Damit wurde der ursprünglich zwischen Litauen und Russland geschlossene Transitvertrag de facto zu einem Vertrag zwischen der EU und Russland.
Dieser Transit ist für Kaliningrad natürlich lebenswichtig, weil es aus Russland mit allem versorgt wird, was es braucht. Angefangen bei Lebensmitteln, aber auch Treibstoff, Waren und so weiter.
Seit der Eskalation in der Ukraine provoziert Litauen jedoch massiv, indem es unter diversen Vorwänden immer wieder Grenzübergänge zu Weißrussland schließt und auch mit der Schließung von Grenzübergängen zu Russland droht.
In der Folge gab es immer wieder Meldungen, in der EU werde im Rahmen neuer Sanktionspakete über eine nahezu vollständige Schließung des Straßen- und Schienenverkehrs zwischen Russland und Kaliningrad durch Litauen gesprochen. Offiziell soll das Verbot nur für Dual-Use-Güter gelten, doch in der Realität wird dieser Begriff bis zur Absurdität ausgedehnt: Diesen Gütern sollen Fahrzeuge, Gerät und eine breite Palette an Elektronik, Chemikalien, Metallprodukten, also praktisch alles, was die Menschen in diesem Gebiet zum normalen Leben benötigen könnten, zugerechnet werden.
Das wäre eine faktische Blockade Kaliningrads, was nach allen Regeln des Völkerrechts einen direkten Casus Belli darstellen würde, also einen Grund für eine militärische Reaktion Russlands.
Das Wargame, das die „Welt“ an der Universität der Bundeswehr in Hamburg (also wohl auch mit deren Beratung) durchgeführt hat, geht von dem Szenario aus, dass Russland eine Blockade Kaliningrads durchbrechen will. In dem Planspiel heißt es natürlich, das alles sei russische Propaganda und nur ein Vorwand für einen Krieg gegen die NATO.
Und genau das würden die westlichen Medien, Politiker und Militärs natürlich auch behaupten, sollte Russland auf eine tatsächliche Blockade Kaliningrads durch Litauen und/oder die EU militärisch reagieren.
Die Tatsache, dass dieses brandgefährlich Szenario im Oktober 2025 bereits in der Realität besprochen und von Litauen – ohne Proteste aus Brüssel – angedroht wurde, zeigt, wie realistisch und gefährlich so ein Szenario ist. Und es ist wieder bezeichnend, dass deutsche Medien es nicht für nötig hielten, darüber zu berichten.
Sollten also Litauen und/oder die EU auf die Idee kommen, das umzusetzen und sollte Russland darauf militärisch reagieren, dann ist klar, was das deutsche Publikum von seinen Medien und Politikern erzählt bekäme: Das aggressive Russland greift vollkommen unprovoziert ein unschuldiges, kleines Nachbarland an.
In dem Wargame verläuft der Konflikt mit einem schnellen Sieg Russlands, weil die USA, die NATO und auch Deutschland nicht schnell militärisch reagieren. Daher gelingt es Russland in dem Szenario schnell, mit relativ wenig Kräften einen Korridor nach Kaliningrad freizukämpfen.
Die „Bild“ fasst das so zusammen:
„Die USA stufen das Vorgehen nicht sofort als klaren Nato-Bündnisfall ein. Auch Deutschland zögert. Polen mobilisiert zwar seine Streitkräfte, greift aber nicht militärisch ein. Russische Drohnen und Minen blockieren zentrale Verkehrsachsen, sodass Nato-Truppen vor Ort nicht eingreifen können. Das Resultat: Mit nur wenigen Tausend Soldaten hat Russland die Nato handlungsunfähig gemacht und einen Teil des Baltikums besetzt. (…) Im Szenario erklären sich die Amerikaner in den ersten 48 Stunden nicht dazu bereit, militärisch einzugreifen und das Nato-Territorium mit ihren Streitkräften zu verteidigen. Damit liegt der Druck, den Balten zu Hilfe zu kommen, allein auf Europa. In der Simulation entschließen sich weder Deutschland noch Polen, das Nato- und EU-Mitglied Litauen militärisch zu unterstützen.“
Unabhängig davon, ob das eine realistische Entwicklung wäre, ist es nicht überraschend, dass ein von Springer und der Bundeswehr-Universität organisiertes Planspiel zu diesem Ergebnis kommt, denn das Ergebnis soll sowohl die öffentliche Meinung als auch die politischen Entscheidungsträger beeinflussen. Schließlich ist das in deutschen Medien gewollte Narrativ ja, die „russische Bedrohung“ sei real und darum müssen wir viel Geld für Rüstung ausgeben. Ein Planspiel, bei dem NATO einen russischen Angriff mit Leichtigkeit zurückschlägt, wäre da kontraproduktiv.
Allerdings wäre diese Entwicklung keineswegs unrealistisch. Sollte Litauen und/oder die EU Kaliningrad tatsächlich blockieren, wüssten das natürlich alle Regierungen der NATO-Staaten. Sie alle wüssten, dass hier ein russischer Angriff provoziert werden soll und dass Litauen und/oder die EU zuerst einen Kriegsakt begangen hat, indem man Kaliningrad blockiert hat.
Damit würde – zumindest völkerrechtlich – Artikel 5 des NATO-Vertrages nicht greifen, denn der deckt keine gemeinsame Verteidigung ab, wenn ein NATO-Mitglied zuerst ein anderes Land angegriffen hat. Und das wäre de jure hier der Fall. Und ob sich die NATO-Staaten wegen der Ambitionen eines kleinen baltischen Staates in einen Krieg mit Russland hineinziehen lassen, ist mehr als fraglich.
Allerdings kommt etwas Entscheidendes hinzu: Alle Regierungen der EU- und NATO-Staaten würden sehen, wie die Blockade vorbereitet wird. Sie wären von Russlands Reaktion also keineswegs überrascht, wie das Planspiel suggeriert. Und sie würden hinter den Kulissen natürlich signalisieren, ob sie Litauen gegen Russland helfen würden, oder ob Litauen diese Provokation besser sein lassen sollte.
Sie alle wüssten natürlich auch, dass die NATO faktisch tot ist, wenn sie Litauen nicht helfen würden. Aber viele würden eine tote NATO wahrscheinlich der Teilnahme an einem von Litauen provozierten Krieg gegen Russland vorziehen.
Theoretisch wäre es also denkbar, dass man nun Lettland dazu bringen will, den Fehler von Georgien und der Ukraine zu wiederholen.
Nur halte ich das für unwahrscheinlich, weil USA, NATO und EU dabei nichts zu gewinnen hätten, denn die NATO wäre politisch erledigt, wenn sie Litauen nicht beistehen würde. Und da der Versuch, Russland nach der Eskalation in der Ukraine international als angeblichen Aggressor zu isolieren, nicht geklappt hat, dürfte niemand in Washington und Brüssel glauben, dass das nach einer provozierten Eskalation um Kaliningrad gelingen könnte.
Einzig die Führung der EU könnte ein gewisses Interesse an so einer Entwicklung haben, denn dank der immer strengeren Zensur in der EU könnte so eine Entwicklung das gewollte Narrativ des aggressiven Russlands verstärken und so als Rechtfertigung für die kommenden, tiefen Einschnitte in die Sozialsysteme herhalten, die eine Folge der Russland-Sanktionen und der Aufrüstung sind. Die strenge Zensur würde kritische Stimmen, die auf die tatsächliche Genese des Konfliktes hinweisen, genauso unterdrücken, wie die Stimmen unterdrückt werden, die die Genese des Ukraine-Krieges thematisieren. Ich will der EU nicht unterstellen, so ein Szenario herbeiführen zu wollen, denn auch sie hätte ansonsten nicht viel dabei zu gewinnen, aber einiges zu verlieren.
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